Die Natur ist keine Freundin des Menschen.Vor allem mit Fluten macht sie ihm das Leben schwer.Die Geschichte von der Arche Noah ist kein Einzelereignis die Sintflut ist der Untergangsklassiker - es gibt sie in über 500 Versionen.Im Gilgamesch-Epos steht die älteste schriftlich festgehaltene Version eines Land-unter-Szenarios. Die Klimaveränderung dürfte dafür sorgen, dass diese Tradition anhält: In noch kürzeren Abständen könnten in Zukunft nach sintflutartigen Regenfällen Flüsse über die Ufer treten.Nach Aufzeichnungen der Münchener Rückversicherung verursachen Fluten schon jetzt mehr als die Hälfte aller Opfer von Naturkatastrophen.Anders als die Maya aber können sich heutige Menschen nicht mit Hinweisen aufs Wüten einer göttlichen Regenschlange aus der Verantwortung stehlen oder wie die Nordvölker mit der Erzä hlung vom erschlagenen Teufel, dessen Blut sich über die Erde ergieße. Der derzeitige Klimawandel ist selbst gemacht, und er wäre nicht die erste ökologische Katastrophe, die der Mensch sich hat zuschulden kommen lassen.Was aber haben Gesellschaften, die einen Untergang erlebten, falsch gemacht?Der Geograf Jared Diamond aus Los Angeles hat sich ausgiebig damit befasst, inwiefern die Maya, die Wikinger oder die Bewohner der Osterinsel für die Miseren ihrer Gesellschaften verantwortlich waren und was die Faktoren sind, die Gesellschaften überleben oder untergehen las sen. Mit Grönland, sagt Diamond, kommen wir einem kontrollierten experimentellen Zusammenbruch so nahe wie möglich. In seinem Bestseller Kollaps (S.Fischer Verlag, 2005) beschreibt er diesen Modellfall im Nordatlantik.Zwei Gesellschaften teilten sich die Insel, die Wikinger und die Inuit.Während Letztere heute noch dort leben, ist die Gemeinschaft der anderen kollabiert.Die Wikinger hätten es in der Hand gehabt, von den Inuit zu lernen, wie man mit Fisch- und Robbenfang die Eiweißressourcen der Natur nutzt. Stattdessen zerstörten sie ihre Lebensgrundlage: Sie holzten ab - die Schafe fraßen die Gegend kahl.Auch unter widrigen Umweltverhältnissen, schreibt Diamond, trete der Zusammenbruch nicht zwangsläufig ein: Das Überleben hänge von den Entscheidungen einer Gesellschaft ab.Wer aber blind die Umwelt ruiniere, gehe unter. Weitaus geschickter agierten die Wikinger in Island.Auch dort litten sie zunächst Not, doch sie zogen Lehren daraus.Die Isländer zählen heute zu den wohlhabendsten Gesellschaften der Welt. Auch die Maya hatten laut Diamond selbst Schuld: Sie rodeten den Regenwald, um Maisplantagen anzulegen.Damit leisteten sie der Erosion Vorschub.Außerdem bekriegten sie sich aufs Heftigste bis den Stadtstaaten schließlich eine jahrzehntelange Dürre den Garaus machte. Das anschaulichste Beispiel aber liefert die Osterinsel im Pazifik. Von deren Kultur blieben 397 Steinstatuen übrig, nachdem die Bewohner sich mit frevelhaftem Raubbau am Wald die Existenzgrundlage entzogen hatten.Um das Jahr 800 waren sie auf die Insel gekommen.Sie legten Gärten an und rodeten den Palmenwald sämtliche Baumarten starben aus.Die Folge der Naturzerstörung: Hungersnot, Bürgerkrieg, Kannibalismus.Es war den Bewohnern nicht gelungen, die Folgen ihres Tuns abzuschätzen und auf den drohenden Kollaps zu reagieren: Wegen ihrer isolierten L age ist die Osterinsel das eindeutigste Beispiel für eine Gesellschaft, die sich durch übermäßige Ausbeutung ihrer eigenen Ressourcen selbst zerstört hat.Schuld an der Entwaldung waren freilich außerdem die Ratten, die in den Kanus der Siedle r auf das Eiland gelangten. Jared Diamond hat auch Zeichen für Hoffnung und Wandel gesichtet. Geradezu vorbildlich reagierte die anfänglich ökosündige Gesellschaft von Tikopia, einer winzigen tropischen Insel im Südwestpazifik.Die Bewohner des Eilands waren große Freunde des Schweinefleischs.Doch als die Tiere über ihre Felder herfielen, keulten sie die Bestände. Den Wiederaufschwung schafften sie, indem sie ihren Speisezettel umstellten und ihren Ressourcen anpassten.Auf Plantagen begannen sie stärkehaltige Pflanzen anzubauen.Haustiere, die größer sind als Hühner oder Hunde, gibt es auf Tikopia nicht mehr.Proteine besorgen sich die Menschen vornehmlich im Meer, und sie jagen Enten und Fische, die sich in einem Brackwassersee tummeln. Diamond versteht sich als Erzieher.Seine Sammlung der Kollapse hat er in der Hoffnung erstellt, dass eine ausreichende Zahl von Menschen sich dafür entscheiden wird, die Gelegenheit zu nutzen und es anders zu machen.