Wenn ein Sammler den Preis für ein Gemälde runterhandeln wollte, dann erhöhte der leicht lispelnde Händler einfach den Preis.Ambroise Vollard konnte es sich erlauben, er hatte die Ateliers so mancher Künstler leer gekauft.In den 1930er Jahren, gegen Ende seines Lebens, bewohnte er im eleganten Pariser Faubourg Saint-Germain ein großes h'tel, in dem er nur ein Ess- und ein Schlafzimmer benutzte.In den restlichen Räumen lagerten bis zu zehntausend Bilder von Cézanne bis Picasso auf Fotos von Brass aï sieht man die Leinwände aufgerollt in Regalen liegen oder in Keilrahmen zu Dutzenden an die Wände gelehnt, während sich auf dem Boden die Grafiken stapeln, dazwischen Bronzen von Maillol und Renoir.Cézanne to Picasso heißt nun auch eine sehenswert e, mit zahlreichen Meisterwerken bestückte Ausstellung, die man diesem Patron der Avantgarde im Metropolitan Museum in New York gewidmet hat (noch bis zum 7.Januar, danach in Chicago und in Paris). Vollard, der große Mann mit dem Vollbart, war nicht unumstritten: Matisse nannte ihn nur halb im Spaß einen voleur, einen Dieb.Cézanne beschrieb ihn als Freund und Förderer.Beiden, Matisse und Cézanne, hatte Vollard erste Einzelausstellungen in Paris organisiert und mit beiden hat er durch sein geschicktes Handeln sehr viel Geld verdient. Auf der Insel Réunion wurde Vollard 1866 geboren, seine Eltern gehörten zur dortigen Elite und schickten den Sohn für das Jurastudium nach Frankreich.Zwischen den Vorlesungen wühlte der sich durch die Kisten der Händler am Pariser Seine-Ufer und kaufte erste Zeichnungen und Grafiken.Bald brach er das Studium ab, ging kurz bei einem Galeristen den er vergeblich zum Handel mit Impressionisten zu überreden versuchte in die Lehre und machte sich mit Mitte zwanzig selbstständig.Ohne viel Geld schaffte er es, Zeichnungen und unvollendete Gemälde Édouard Manets von dessen Witwe zu erwerben. Über die Ausstellung des Manet-Konvoluts in seinem kleinen Laden lernte er 1894 Degas und Renoir kennen, die bei ihm Manet-Arbeiten gegen eigene Werke eintauschten.Vollard knüpfte auch Beziehungen zu Bonnard und Vuillard, und als im gleichen Jahr der bekannte Farbenhändler Tanguy starb, konnte Vollard aus dessen Nachlass sehr günstig Arbeiten von drei damals noch Unbekannten kaufen: Cézanne, Gauguin und van Gogh.Im November 1895 gelang dem Galeristen der Durchbruch: Er hatte von seinem damals no ch kleinen Vermögen 150 Bilder von Cézanne gekauft und dessen erste Einzelschau organisiert. Der erste Käufer war Monet, es folgten Kollegen wie Degas, Renoir, Pissaro und später dann Sammler.Die Preise für Cézannes stiegen um das Hundertfache, und Vollard profitierte wie stets von seinen Lagerbeständen.Schon 1896 kann er in eine größere Galerie in der Rue Laffitte umziehen - sie wird zum internationalen Treffpunkt von Künstlern und Sammlern, legendär sind die Gelage im Kellergewölbe, an denen auch Apollinaire, Graf Kessler und Gertrude Stein teilnehmen. Doch nicht immer agierte der Galerist geschickt: So ließ er Matisse und Picasso ziehen, ignorierte Kubismus und Surrealismus. Oft, so berichteten die Zeitgenossen, schlief Vollard einfach ein. Beim Essen, in der Galerie oder wenn er mal wieder einem Künstler Porträt saß.Porträts gibt es Dutzende von Vollard, nicht einmal die schönste Frau aller Zeiten sei so oft wie er gemalt worden, merkte Picasso einmal an von ihm hängt ein kubistisch dekonstruierter Vollard-Kopf im Metropolitan Museum. 1939 starb Vollard bei einem Autounfall, da war er 73.Eine kleine, auf der Hutablage seines schwarzen Talbots deponierte Maillol-Plastik habe ihm beim Überschlagen des Wagens den Kopf zertrümmert .Behauptete Picasso.