Wenn Regierungschefs plötzlich große Reden schwingen, dann kann das sowohl ein Zeichen von Schwäche wie auch von Stärke sein.In Ehud Olmerts Fall ist es beides.Sein Versöhnungsappell an die Palästinenser prangte auf den Titelseiten der Zeitungen, die bislang mit Berichten über seine gesunkene Popularität, über polizeiliche und militärische Untersuchungen und der Zahl der täglichen Kassam-Raketen auf die Grenzstadt Sderot gefüllt waren.Nach der Waffenruhe, auf die sich Israels Premier am Wochenen de mit Palästinenserpräsident Machmud Abbas geeinigt hat, sollen die gebeutelten Einwohner von Sderot endlich wieder Ruhe finden.Was der Armee bisher nicht gelang, will Olmert mit Hilfe der Diplomatie schaffen. Die jüngste Waffenruhe, sofern sie hält, ist Teil einer größeren Initiative: Wenn die Palästinenser auf Terror verzichten, stellt ihnen der Premier die Räumung von Siedlungen und einen unabhängigen lebensfähigen Staat in Aussicht.Dies soll dann aber am Ende von Verhandlungen mit den Palästinensern geschehen, nicht als Folge einseitiger israelischer Maßnahmen, wie sie Olmert bisher propagiert hat. Es mag sein, dass Olmert seinen neuen Elan aus Washington mitgebracht hat, wo er noch vor einigen Tagen verweilte.Doch auch intern ist der Druck auf ihn gestiegen.Will er sich an der Macht behaupten, muss er den Menschen nach dem Debakel des Libanon-Kriegs eine Perspektive anbieten.Ob dies die richtige Strategie ist, bleibt umstritten.Seine Kritiker werfen ihm die De-facto-Anerkennung der Hamas-Regierung vor, die Olmert bisher zu isolieren suchte.Außerdem würden die Islamisten di e Waffenruhe nur zur Aufrüstung nutzenOlmert aber will sich nicht vorwerfen lassen, eine mögliche Chance zum Frieden vertan zu haben.Er verkauft Hoffnung.Und meint es trotz aller Zweifel durchaus ernst.Dazu gehört Mut.