Kein Zuckerschlecken waren die vergangenen Jahre für deutsche Fondsgesellschaften: Nach dem Einbruch der Aktienmärkte in den Jahren 2000 bis 2002 flüchteten viele Anleger aus Fonds. Das Vertrauen in die Geldanlage in Aktien schien dahin zu sein – genauso das in die Investmentgesellschaften. Parallel dazu wuchs der Markt für Anlagezertifikate rasant. Neidisch und erschrocken zugleich schauten die Fondsgesellschaften auf die Konkurrenz aus den eigenen Bankkonzernen.

Ihre Zukunft sehen Investmentgesellschaften immer weniger in klassischen Produkten wie Aktien- und Rentenfonds. Mit neuen Produktgattungen gehen sie in die Offensive:

Garantiefonds Nur sie sind bisher unter den neuen Produkten zum Verkaufsschlager geworden. Beim Platzen der Aktienblase verloren Privatanleger viel Geld. Das Bedürfnis nach Sicherheit vor Kursverlusten ist seither besonders stark ausgeprägt. Deshalb erhalten solche Produkte besondere Aufmerksamkeit, die Kunden den Erhalt des eingezahlten Kapitals versprechen. Genau diesen Wunsch bedienen Garantiefonds, deren Zahl in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist. Sie garantieren meist zum Ende einer festgelegten Laufzeit, dass Anleger selbst dann ihr Geld zurück erhalten, wenn die Aktienmärkte derweil eingebrochen sind. Die Kehrseite des Sicherheitsversprechens: Die Versicherung gegen Verluste drückt die Rendite. Kritiker warnen daher, dass Garantiefonds Anleger über kurz oder lang enttäuschen.

Zielfonds Mit steigendem Alter wollen viele Anleger immer mehr Sicherheit in ihrem Depot – schließlich sollen Kursverluste nicht ausgerechnet kurz vor dem Ruhestand die zuvor erzielte Rendite zunichte machen. Zielfonds sorgen für Stabilität, indem die Fondsmanager mit zunehmendem Alter ihrer Kunden den Rentenanteil im Depot stetig erhöhen und im gleichen Zug umgekehrt den Aktienanteil verringern. Darum müssen sich Anleger dann nicht mehr selbst kümmern.

Dach-Hedge-Fonds Seit Anfang 2004 dürfen Investmentgesellschaften Hedge-Fonds an Privatanleger verkaufen. Die Produkte locken Kunden mit dem Versprechen, auch in schlechten Börsenzeiten eine ansehnliche Rendite zu erwirtschaften – mit Arbitragegeschäften, bei denen Fonds minimale Preisunterschiede an den Märkten ausnutzen, mit so genannten Leergeschäften, bei denen man selbst von fallenden Aktienkursen noch profitiert, oder indem man bei Firmen einsteigt, die gerade vor einer Übernahme stehen und deren Anteile der Käufer nur bei einem erhöhten Preis bekommt. Für den öffentlichen Vertrieb sind in Deutschland nur Dach-Hedge-Fonds zugelassen, die das Geld der Anleger in mehrere Einzel-Hedge-Fonds investieren. Doch die Produkte erwiesen sich bislang zumindest als Flop. Viele Kunden halten sie für besonders risikoreich – und ausgerechnet nach dem Marktstart in Deutschland brachen die Renditen ein, sodass Risiko und Ertrag für viele nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Zertifikatefonds Nach dem ersten Erschrecken über die Zertifikate haben Fondsgesellschaften ihre Vorbehalte gegen die neue Konkurrenz weitgehend aufgegeben. Zuletzt brachten mehrere Gesellschaften Mischprodukte auf den Markt: Fonds, die statt in Aktien oder Anleihen in Zertifikate investieren und Anlegern die Mühe abnehmen, selbst Zertifikate auszuwählen. Zugleich hoffen die Kunden, dass die Produkte ihnen auch dann Gewinne bescheren, wenn sich die Aktienkurse seitwärts entwickeln oder leicht fallen. Ob die Hoffnung aufgeht, wird sich zeigen. Christoph Hus/Olaf Wittrock

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