Früher hieß es, dass Menschen mit schwachen Nerven an der Börse nichts zu suchen hätten. Das hat sich gründlich geändert. Ängstliche Anleger wählen heute aus einer ganzen Reihe von Produkten, mit denen sie am wilden Börsengeschehen teilhaben und trotzdem vor Verlusten geschützt sind. Selbst an den hoch riskanten Spekulationen der Hedge Fonds kann man sich inzwischen gefahrlos beteiligen. Möglich machen das Garantiefonds und -zertifikate, die ihren Kunden zusichern, dass sie ihnen am Ende der Laufzeit zumindest das eingezahlte Kapital rückerstatten. BILD

Nach den schmerzlichen Erfahrungen mit der Börsenbaisse von 2000 bis 2003 ist der Wunsch nach Sicherheit verständlich. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) verzeichnet eine stetig wachsende Zahl von Garantiefonds, und auch das Volumen nimmt kräftig zu. Mit einem Gesamtvermögen von 16,5 Milliarden Euro stehen die »wertgesicherten Fonds« im Vergleich zu den klassischen Renten- und Aktienfonds zwar noch bescheiden da. Allerdings sind sie allein im laufenden Jahr um rund 30 Prozent gewachsen – so schnell wie keine andere Fondsgattung.

Auch Garantiezertifikate sind derzeit besonders gefragt. Nach Angaben des Derivate Forums, einer Lobby-Einrichtung der Zertifikate-Industrie, entfallen bei privaten Anlegern mehr als 40 Prozent aller Zertifikate-Investments auf Garantieprodukte. »Die Nachfrage ist weiterhin sehr hoch«, sagt Petra Becher, Zertifikate-Expertin bei der Schweizer Großbank UBS in Frankfurt. Vor allem Kleinanleger verlangten den Vollkaskoschutz.

Allerdings setzen Garantiefonds und -zertifikate die Grundregeln der Geldanlage nicht außer Kraft: Je geringer das Risiko, desto niedriger die möglichen Gewinne. In Zeiten stark steigender Kurse erweisen sich die Vollkaskoprodukte also als lahme Enten. Sie bleiben dann hinter der Wertentwicklung an den Aktienmärkten deutlich zurück. Das ist der Preis, den der Anleger für den Schutz vor Verlusten zahlen muss.

Wer in Garantiefonds investiert, bindet sein Kapital im Schnitt für acht Jahre. Die hundertprozentige Rückzahlung des eingezahlten Kapitals gibt es bei den meisten Fonds ausschließlich am Laufzeitende. Wenn ein Anleger seine Anteile vorzeitig zurückgibt, muss er oft Kursverluste in Kauf nehmen. Zudem verlangen einige Fondsgesellschaften Gebühren für den vorzeitigen Verkauf.

Der Fonds legt 80 Prozent des Geldes in festverzinslichen Papieren an

Meist sind die Garantieprodukte nach folgendem Prinzip konstruiert: Rund 80 Prozent des Geldes werden festverzinslich angelegt, so ist es möglich, mit Zins und Zinseszins bis zum Laufzeitende die versprochene Mindestrückzahlung anzusparen. Die restlichen 20 Prozent wandern in Optionen, die bei steigenden Aktienkursen den Fondspreis nach oben ziehen, bei fallenden Kursen hingegen wertlos werden. Die Renditechancen bleiben also relativ gering. Deshalb weisen die Garantiefonds bislang eine recht magere Wertentwicklung aus. In den vergangenen fünf Jahren kamen jene 13 Fonds, die es schon so lange gibt, lediglich auf 2,3 Prozent Plus pro Jahr. Selbst manches Tagesgeldkonto brachte mehr in dieser Zeit.