Gute Investmentfonds können wirklich Freude machen. Wer sich den richtigen Fonds für deutsche Aktien ins Depot legte, hat sein Geld in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Selbst wenn er den Fonds vor fünf Jahren, mitten im Börsencrash, gekauft hat. Allerdings gelang dieser schöne Wertzuwachs nur zwei – noch dazu recht kleinen – Fonds. Das Gros erreichte nicht einmal die Hälfte. Angegriffener Bulle: Was ist von Fonds zu halten? BILD

Wer es mit Investmentfonds zu etwas bringen will, der braucht vor allem eines: eine glückliche Hand. Mehr als elftausend Fonds sind in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Aktienfonds, Rentenfonds, Immobilienfonds, Mischfonds, Geldmarktfonds, Rohstofffonds, Themenfonds und eine ganze Reihe weiterer Fondstypen (siehe die »Exoten« in diesem Geld-Spezial). Damit sich die Anleger in dem Dschungel besser zurechtfinden, werden diverse Rankings und Ratings erstellt. Die Krux ist nur, dass diese Instrumente wenig nützen. Und teilweise führen sie sogar in die Irre.

Vergleichstabellen mit den Wertentwicklungen werden zum Beispiel vierteljährlich vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) veröffentlicht und von vielen Zeitungen nachgedruckt. Zwar merkt der BVI in Werbeprospekten an, dass »aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden kann«. Doch Banken und Fondsgesellschaften empfehlen trotzdem gern die Spitzenreiter solcher Hitlisten. Und Anleger kaufen sie in der Hoffnung, dass die Sieger auch weiterhin gut abschneiden werden. Nicht selten endet aber gerade diese Art der Auswahl mit einer eiskalten Dusche. Die vermeintlichen Spitzenfonds bringen nicht nur weniger Ertrag als erhofft. Oft schneiden sie plötzlich sogar noch schlechter ab als der Durchschnitt.

Für den Münchner Fondsanalysten Thomas Vorwerk ist das keine Überraschung. »Ranglisten geben die falschen Signale«, sagt der Geschäftsführer der Finanzanalyse-Gesellschaft Südprojekt. Wer Fonds kaufe, die in solchen Tabellen ganz oben stehen, der laufe große Gefahr, direkt in die »Ranking-Falle« zu geraten.

In einer neuen, bisher unveröffentlichten Langzeitstudie hat Südprojekt untersucht, inwieweit die zurückliegende Wertentwicklung von Investmentfonds Rückschlüsse auf die Zukunft zulässt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Fonds mit einer sehr guten Historie können ihren vorderen Rang meist nur zwei bis drei, bestenfalls fünf Jahre lang halten. Nach dieser Zeit schmilzt ihr Vorteil in aller Regel dahin; viele der herausragenden Fonds fallen dann sogar vollends aus der Spitzengruppe heraus.

Auch wenn das Ergebnis mit der Erfahrung vieler Anleger übereinstimmt, so ist es auf den ersten Blick doch überraschend. Die guten Wertsteigerungen der Spitzenfonds sind schließlich die Folge eines guten Fondsmanagements und einer guten Anlagepolitik. Wieso also sollte die Qualität des Managements nur von begrenzter Dauer sein? Weshalb sollten die gleichen Fondsverwalter einmal überdurchschnittlich gute und dann wieder besonders schlechte Ergebnisse erwirtschaften?

Die Resultate der Südprojekt-Studie geben darauf eine plausible Antwort: Gute Fonds sind nur in bestimmten Börsenphasen gut. So gibt es ausgesprochene »Schönwetterfonds«, die sich in Zeiten steigender Kurse hervorragend entwickeln, in Zeiten fallender Kurse aber schnell einbrechen. Und genauso gibt es »Schlechtwetterfonds«, deren Manager mit schwachen Börsen besonders gut zurechtkommen. Ideal für die Anleger wären »Allwetterfonds«. Doch die sind ausgesprochen rar.