Als das Kind geboren ist, und der Lichtstrahl des Kometen durch das Loch der Grottendecke in die Krippe fällt, hält es den jungen Priester nicht mehr auf dem Sitz. »Meraviglioso«, haucht er, wie wunderbar. Er springt auf, zückt sein Handy und lässt es blitzen. Wieder und wieder fotografiert er Kind, Ochs und Esel. Die Heilige Familie. Die Anbetung der Hirten und der drei Weisen aus dem Morgenland. Direkt von der Leinwand ins Mobiltelefon. Und während er da steht und triumphal seine Blitze durch den Saal sendet, sackt neben ihm eine junge Frau in sich zusammen. Sie weint, sie presst sich ihr Taschentuch gegen die Nase, aber man sieht es doch. So erschütternd kann Weihnachtskino sein. Darf man das? Sich über den Papst lustig machen? Szene aus der Satire des Senders La7 BILD

Filmpremiere im Vatikan. Nie zuvor hatte es das gegeben, und nun: Über 7000 Menschen in der Aula Paul VI., Hunderte von Nonnen und Priestern, würdige Herren und weihnachtsrot gekleidete Signoras, Dutzende von Monsignores und Kardinälen, die je nach Rang auf einfachen Holzstühlen oder in goldenen Sesseln sitzen. Gezeigt wird Es begab sich aber zu der Zeit von Catherine Hardwicke, ihrerseits Mitglied der Presbyterianischen Kirche. Die Regisseurin aus Texas trägt einen langen, roten Rock, winkt in den Saal und lässt sich feiern. Die Stimmung ist irgendwo zwischen Kirchentag und Pfadfinderlager. Das Durchschnittsalter des Publikums liegt allerdings jenseits der Pensionsgrenze.

Nur Keisha Castle-Hughes, die 16-jährige Darstellerin der Maria, fehlt bei der Premiere. Die Neuseeländerin ist schwanger von ihrem nur wenig älteren Freund. So etwas war, wie der Film zeigt, vor 2000 Jahren in Palästina derart unschicklich, dass es zur Steinigung führen konnte. Für die Kurie heute ist es auch kein Grund zur Freude. Offiziell wurde die Abwesenheit der Hauptdarstellerin mit »Dreharbeiten in Australien« entschuldigt. Aber keine italienische Zeitung hat sich das süffisante Detail entgehen lassen: blutjung, schwanger und unverheiratet, genau wie Maria im Film.

»Wir feiern bald Weihnachten!«, ruft Kardinal John Patrick Foley vom Podium, der Vorsitzende des päpstlichen Rats für soziale Kommunikation. »Die Geburt unseres Heilands!« Begeisterter Applaus. Foley lächelt. Von einem so dankbaren Publikum und Hardwickes Film erhoffe sich der Vatikan einen »fruchtbaren Dialog zwischen Glaube und Kultur«. Das Kino könne so ein »authentisches Instrument der Kommunikation für alle Menschen guten Willens sein«.

Im Saal sind ausnahmslos alle guten Willens. Szenenapplaus begleitet die Darstellung der mühsamen Reise nach Bethlehem, die Erscheinungen eines weiß gekleideten Engels und die jovialen Späße der drei Weisen, die als Einzige ein wenig lockerer sein dürfen, während die Gesichtszüge von Maria, Josef, Elisabeth und Zacharias vor lauter Heiligkeit wie festgefroren sind. Andererseits kommt Hollywood, zumal in diesen Zeiten, auch nicht ohne Bösewicht aus. Der zynische Kindermörder Herodes und die finsteren römischen Besatzer spielen deshalb eine ungleich größere Rolle als im Evangelium.

Ein einfacher Film, seltsam zweidimensional in seinen von keiner Farbigkeit erhellten Blau-Grau-Tönen und flach auch in seiner dramaturgischen Banalität. »Ein Streifen ohne große Ansprüche«, hat vor der Premiere Melchor Sanchez aus dem päpstlichen Kulturrat erklärt. »Nett anzusehen, aber nicht gerade ein Meisterwerk.«

Doch Sanchez ist die Stimme eines Predigers in der Wüste. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der ranghöchste Mann im Kirchenstaat nach dem Papst, schwärmt von »wundervollen Dialogen zwischen Maria und Elisabeth«. Nach dem Abspann ist er ohnehin sehr beschäftigt, denn das Publikum steht bei ihm Schlange für den Handkuss.