War da was? Nun ja, immerhin der angeblich größte, wichtigste Prozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Jedenfalls der mit den prominentesten Namen. Die Sache Mannesmann. Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, muss 3,2 Millionen Euro zahlen. Dafür ist er nicht vorbestraft BILD

Jahrelang hat sie die Redaktionen der meisten europäischen Blätter bewegt, die Teams ungezählter TV-Stationen auf Trab gehalten, die Hirne an den Stammtischen zum Glühen gebracht.

Und nun: aus und vorbei. Kein Urteil, keine Genugtuung. An diesem Mittwoch folgte Stefan Drees, Vorsitzender Richter am Düsseldorfer Landgericht, den Anträgen von Verteidigern und Staatsanwälten und stellte das Verfahren rechtskräftig ein – gegen eine Geldauflage für die sechs Angeklagten von insgesamt 5,8 Millionen Euro , nicht gegen Geldbuße; die Angeklagten bleiben nicht vorbestraft.

Ein Irrtum, das Ganze? Tut mir leid, Jungs, war nur so ne Idee?

Nichts ist es also mit der strafrechtlichen Ächtung von Habgier und Machtmissbrauch. Und auch wer weiß, dass in Strafprozessen Moral und Ethik keinen Platz haben, schon gar nicht das berühmte gesunde Volksempfinden, wird staunen dürfen. So einfach und so schnell können die Vertreter des Gesetzes ihr Handtuch werfen, ohne auch nur ernsthaft zu versuchen, einen passenden Haken zu finden.

Zur Erinnerung: Es geht um angeblich zu Unrecht bewilligte und kassierte Prämien und Abfindungen von 57 Millionen Euro. Untreue nennen Juristen das respektive Beihilfe dazu. Geflossen ist das Geld im Frühjahr 2000, nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Konkurrenten Vodafone. Angeklagt sind unter anderen die früheren Mannesmann-Aufsichtsräte Josef Ackermann (heute Chef der Deutschen Bank), Joachim Funk (damals Mannesmann-Aufsichtsratschef) und Klaus Zwickel, der der IG Metall vorstand. Außerdem Klaus Esser, der den Abwehrkampf gegen Vodafone zwar letztlich erfolglos geführt hatte, dabei aber den Aktienkurs des Besiegten in heute unvorstellbare Höhen beförderte. Die Einzelprämie für ihn, 16 Millionen Euro, hielt und hält sich beständig im Fokus des öffentlichen Interesses.

Ein erster Prozess in der Sache begann im Januar 2004. Er währte ein halbes Jahr und wurde mit Freisprüchen beschieden.