Lange war die Aufzugsparte der Stolz von ThyssenKrupp. Der drittgrößte Hersteller der Welt baut unter anderem die Lifte für das World Financial Center in Shanghai, das von 2008 an alle Wolkenkratzer weltweit überragen wird. Der schnellste Aufzug Deutschlands – er fährt im Berliner DaimlerChrysler-Hochhaus – stammt ebenfalls aus Düsseldorf. Außerdem bekam ThyssenKrupp den Auftrag für den Frankfurter Renommierbau Main Triangel, wo High-Tech-Lifte gleich zwei Kabinen pro Schacht bewegen. Jeder verkaufte Aufzug bringt einen lukrativen Wartungsauftrag und damit Umsatz für viele Jahre. So fuhr die kleinste Sparte von ThyssenKrupp bis 2004 die höchsten Margen im Konzern ein.

Jetzt aber droht der Aufzugbereich den Konzern in Schwierigkeiten zu bringen. Die EU-Wettbewerbshüter beschuldigen die vier größten Hersteller in der Welt – Otis, Schindler, ThyssenKrupp und Kone – illegaler Kartellabsprachen in Deutschland und den Beneluxländern in den Jahren 1998 bis 2004. Nachdem Anfang 2004 europaweit Büros der Aufzugfirmen durchsucht worden waren, eröffnete Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes vor einem Jahr das Kartellverfahren. Bei derartigen Vergehen kann die EU-Kommission Strafen von bis zu zehn Prozent des Konzernumsatzes verhängen. Dieses Strafmaß wurde zwar bisher nie ausgeschöpft, doch im schlimmsten Falle könnte auf ThyssenKrupp eine Milliardenstrafe zukommen.

Inzwischen haben Otis und Kone mögliche Kartellverstöße ihrer Mitarbeiter eingeräumt. Durch Kooperationsbereitschaft können Unternehmen in Kartellverfahren ihr Strafmaß mindern, gleichzeitig erhöhen sie so jedoch den Druck auf die restlichen Verdächtigen. Auch ThyssenKrupp sei gesprächsbereit gewesen, heißt es im Konzern. »Aber«, so ein Insider, »die anderen waren schneller.« Das Unternehmen bestätigt seine Kooperationsbereitschaft, will aber zum Stand des Kartellverfahrens nicht Stellung nehmen. In den kommenden Wochen steht die Entscheidung der EU an. Jutta Hoffritz

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