Die Meldung der Deutschen Presseagentur war kurz und unscheinbar. Die französische Justiz, so kabelte der dpa-Korrespondent aus Paris, verdächtige den ruandischen Präsidenten Paul Kagame, an der Ermordung seines Vorgängers Juvénal Habyarimana beteiligt gewesen zu sein - Habyarimana starb nach dem mysteriösen Abschuss seines Flugzeuges im April 1994. So weit, so unverfänglich. Doch dann steht da ein haarsträubender Satz über die Folgen des Attentats: Dies hatte Unruhen mit mehr als 800000 Toten ausgelöst. Gemeint ist der Völkermord von Ruanda, eines der abscheulichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Der dpa-Mann hat sich offenbar die postkolonialen Lebenslügen seines Gastlandes angeeignet. Denn viele Franzosen verleugnen oder bagatellisieren diesen Genozid, an dessen Vorbereitung ihre Regierung durch Militärberatung und massive Waffenhilfe für das Mörderregime beteiligt war. Ein Völkermord in diesen Ländern ist nicht so bedeutend, befand der damalige Präsident François Mitterrand. Der gleiche rassistische Ungeist beseelt die kurze Meldung von dpa: Unruhen mit 800000 Toten es waren ja nur Afrikaner.