Die Erforschung des Sternenrechners von Antikythera ist ein bisher einzigartiger Fall von Detektivarbeit: Plötzlich taucht, aus dem Nichts, ein hoch komplizierter Mechanismus auf.Kein ähnlicher Fund, kein schriftlicher Quellenkontext hilft den Wissenschaftlern, Zweck und Funktionsweise des antiken Räderwerks zu verstehen.Zwar waren der Mechanismus und sein Holzgehäuse einst ausgiebig beschriftet.Aber die Inschriften sind inzwischen verwittert, teils liegen sie auch verborgen im Inner n der Bronzeklumpen. Immerhin haben die elektromagnetischen Sensoren des Antikythera Mechanism Research Project Hunderte bisher unlesbare Zeichen aufgespürt, darunter ägyptisches Kalendervokabular, geschrieben in griechischen Lettern, und wichtiger noch eine Gebrauchsanweisung. Die von uns entdeckten Inschriften sagen genau, was das Gerät berechnet, wenn man diesen Hebel umlegt oder jenen Knopf dreht, sagt Projektleiter Mike Edmunds.Doch ganz so einfach lässt sich der Mechanismus seine Geheimnisse nicht entreißen: Die vollständige Gebrauchsanweisung werden wir nicht bekommen, sagt Edmunds, ein Teil von ihr ist unwiederbringlich verloren. Deshalb bleibt den Forschern nur Reverse Engineering, wie es Technologiefirmen mit den Produkten der Konkurrenz machen.Sie müssen die Konstruktionsarbeit der antiken Ingenieure rückwärts nachvollziehen, vom fertigen Räderwerk bis zum Konzept dahinter. Meistens müssen die Wissenschaftler einfach raten.So hatte ein Getrieberad 223 Zähne.Das ist genau die Zahl der Lunarmonate zwischen zwei Mond- oder Sonnenfinsternissen im so genannten Saros-Zyklus.