Eine Welt ohne Armut, gewaltsame Konflikte und ökologische Zerstörung" wünscht sich das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). So steht es zumindest im Informationsmaterial der Bonner Behörde. Im kommenden Jahr kann die Bundesregierung viel zu diesen Zielen beitragen: Die Deutschen übernehmen die EU-Ratspräsidentschaft und den Vorsitz des G8-Gipfels in Heiligendamm. Beide internationalen Zusammenschlüsse wollen 2007 ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu schwächeren Ländern überdenken. Allen voran: zu Afrika.

Tatsächlich hat die Bundesregierung lange gezögert, diesen Schwerpunkt aufzugreifen. 2005 noch hatte der britische Premier Tony Blair als G8-Gastgeber mit politischem Nachdruck und dem Rock-Spektakel Live Aid die Aufmerksamkeit auf Afrika gelenkt – jenen Kontinent, der aus der globalen Wirtschaft immer noch weitgehend ausgeschlossen ist. Gerade dort aber entscheide sich, ob die Weltgemeinschaft es ernst meine mit der Armutsbekämpfung, sagt Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Ministerin an der Spitze des BMZ. Jetzt steht der Schwarze Kontinent doch auf der Agenda. Blairs Projekt soll fortgeschrieben werden – mit eigenen deutschen Akzenten.

2005 hatten die Staatschefs in der G8 vor allem für höhere Entwicklungstransfers getrommelt. Es war die jüngste in einer langen Serie ähnlicher Absichtserklärungen: Noch 2000 hatten sich 189 Staatschefs bei den Vereinten Nationen dazu verpflichtet, die "extreme" Armut zu halbieren und eine Reihe weiterer "Millenniumsziele" der Armutsbekämpfung zu erreichen.

Unter der deutschen Führung soll es nun heißen: Geld allein reicht nicht. Konkrete Investitionen müssten dazukommen, damit die Volkswirtschaften der ärmsten Länder sich entfalten und den armen Menschen Existenzgrundlagen und Zukunftschancen bieten können. Der Blick soll auch darauf gelenkt werden, wie eifrig afrikanische Staaten die wirtschaftlichen Bedingungen reformieren und ob sie Marktchancen für internationale Unternehmen bieten.

Entwicklungs- und Wirtschaftspolitiker haben für einen weiteren Fokus gesorgt: Unter dem Motto "Wachstum und Verantwortung" soll auf dem G8-Gipfel auch über eine "umweltfreundliche Weltwirtschaft" gesprochen werden. Das richtet sich in erster Linie an die etwas reicheren Schwellenländer. Nach Heiligendamm werden auch Vertreter aus Brasilien, Südafrika, China und Indien kommen, den so genannten O4-Staaten, wie sie im Jargon der Staatengemeinschaft neuerdings genannt werden ("O" steht für outreach ). Mit ihnen soll über Klimaschutz und nachhaltige Energieversorgung geredet werden und über die zunehmende globale Konkurrenz um Rohstoffe. Dieses letzte Thema führt auch gleich wieder zurück nach Afrika.