Die EU ist gut, weil sie den Euro hat

Wer liebt schon Geld – vor allem wenn es so hässlich ist wie die Euro-Scheine? Doch der Euro macht nicht nur das Reisen leicht, er hat uns auch schon vor der einen oder anderen Finanzkrise gerettet. Denn gegen den Euro spekulieren kann keiner. Zudem nützt er dem deutschen Export – und damit den Arbeitsplätzen. Die gute alte D-Mark wäre viel stärker von Aufwertungen gefährdet. Nur schönere Motive auf den Scheinen, die dürfte es schon geben.

Die EU ist gut, weil sie sozial ist

Eigentlich hat die EU in sozialen Dingen wenig zu sagen. Über die Krankenkasse und den Kündigungsschutz streitet man sich daheim. Das wird vorerst auch so bleiben. Dennoch hat die EU nicht nur die schlechtere Bezahlung von Frauen verboten (unter dem Slogan "gleiches Geld für gleiche Arbeit"). Sie ist auch weltweit die Region mit den höchsten sozialen Standards für die überwiegende Zahl ihrer Bürger. Und sie ist in Zeiten der Globalisierung der beste Garant dafür, einige dieser Errungenschaften zu wahren. Nur die EU kann unfaire Konkurrenz im Inneren und von draußen verhindern. Die Politiker müssten die Union nur besser dafür nutzen.

Die EU ist gut, weil sie sich immer wieder neu erfindet

Wer sonst auf dieser Welt streitet sich ständig und erfindet sich dabei immer wieder neu? Angefangen hat die EU als Wirtschaftsgemeinschaft, wurde dann zu einer Werte- und Rechtsgemeinschaft und ist heute, ja was? Und morgen, was dann? Ein europäischer Sozialstaat? Eine Weltmacht? Noch weiß niemand, wohin sich dieses Gebilde entwickeln wird. Wir können es verändern, verdrehen, umbauen. Sicher ist nur: Es gibt kein Modell, an das sich Europa anlehnen könnte.

Die EU ist gut, weil sie ihre Erweiterung wagt

Ein solches Experiment hat noch keine andere Staatengruppe gewagt. Statt andere Länder zu okkupieren oder zu dominieren, nimmt die EU Nachbarn auf, gibt ihnen einen Platz am gemeinsamen Tisch und ein Recht mitzubestimmen. Jedes Mitglied verliert damit ein Stück seiner nationalen Souveränität und gewinnt dafür eine Stimme im Konzert. Für die Bürger der 27 Mitgliedsstaaten klingt diese Vielstimmigkeit ohrenbetäubend – und sie sind oft der neuen Sprachen überdrüssig. Doch außerhalb der EU sehnen sich viele nach einem Platz in diesem Club. Sie sehnen sich nach europäischen Werten, Recht und Wohlstand oder kurz: nach Europäisierung.

Die EU ist gut, weil sie mehr den Verstand als den Bauch anspricht

Europa ist emotionslos. Es hat eine langweilige Flagge, keine Schwüre, keinen Patriotismus, die EU erfreut sich keiner Liebeserklärungen. Man kann das bedauern. Europa ist kühl, die technokratisch-vernünftige Antwort auf ein emotionsgeladenes, hitziges Jahrhundert der Kriege. Man muss die EU nicht lieben, nicht einmal mögen, um sie für die derzeit sinnvollste institutionelle Antwort auf die zwischenstaatliche Existenzfrage zu halten.