Sind wir nicht immer noch vom Bölleroptimismus der Merkelschen Neujahrsansprache wie beflügelt? Wunderbar passend zur Kanzlerinnenthese, dass sich alle Anstrengungen und Härten mit der Zeit auszahlen und man nur an sich selbst glauben müsse, erscheint nun auch eine kleine Kulturveranstaltung am Horizont: Zwischen dem 4. und dem 30. Januar findet nacheinander in Hamburg, Berlin und Leipzig das Festival des gescheiterten Films statt. Die Auswahlkriterien sind denkbar einfach: Das Werk sollte bei der Vermarktung gescheitert oder von Fernsehsendern beziehungsweise anderen Finanziers abgelehnt worden sein. Allerdings muss der Produzent "eine hochwertige Arbeit im Auge gehabt haben" und eine einigermaßen plausible Erklärung für das Scheitern seines Films abgeben können.

Think positive! Schon bei Augustinus ist das Scheitern die Pforte, durch die Gott in unsere Existenz tritt. Auch in der Selbstdarstellung des Festivals, bei dem rund achtzig Filme gezeigt werden, üben sich allerlei Mottos in der Dialektik des Nichtaufgebens: "Scheitern ist immer nur vor dem Erfolg oder nach dem Erfolg." Oder auch: "Gescheitertes Scheitern wäre Glück." Die wirklich wahren Meisterwerke wären dann wohl die Filme, die sogar an der Auswahljury des Festivals des gescheiterten Films gescheitert sind. Katja Nicodemus