Das Filmplakat zeigt das Gesicht eines Mannes mit großen Tränensäcken, die schwarzen Haare mit Pomade schräg in die Stirn gekämmt das Gesicht von Adolf Hitler.Nur die Augen passen nicht dazu.Die Augen gehören Helge Schneider.Er spielt die Hauptrolle in Dani Levys neuer Komödie Mein Führer.Drei Stunden saß er während der Dreharbeiten täglich beim Maskenbildner. Als man das Berliner Hotelzimmer für das Interview betritt, ist man erleichtert, den vertrauten, unmaskierten Helge Schneider zu sehen. Ein kleiner Mann, der sich in einem großen Sessel lümmelt, die wuscheligen Haare quellen unter seinem Hut hervor. " Es ist das erste Mal, dass ich nur Schauspieler bin und sonst keinen Einfluss genommen habe."Es sei eben kein typischer Helge-Schneider-Film, betont er, als wolle er die Verantwortung etwas wegschieben: "Ich habe die Maske begrüßt, weil ich mich hinter ihr auch verstecken konnte." Hitler zu spielen sei überhaupt nicht schwierig, sagt er in dem schnoddrigen Ton, der ihn berühmt gemacht hat.Schließlich gebe es bei unzähligen Dokumentationen im Fernsehen genug Anschauungsmaterial. " Und bei einem Schauspieler kommt es zunächst nur auf Mimik, Motorik und Aussprache an.Das habe ich abgeliefert."Es klingt nach dem Stolz eines Komikers, der sich oft unterschätzt wähnte.Anfang der Neunziger, als die Komiker nicht skurril genug sein konnten, galt Helge Schneider als Anführer der Spaßgesellschaft.Bekannt geworden ist er mit Nonsens-Liedern wie Es gibt Reis, Baby und Katzeklo.Diese Lieder wird er nicht mehr los.Immer noch fordert ihn das Publikum bei seinen Konzerten auf, Katzeklo zu spielen.Manchmal improvisiert er dann lustlos auf seiner Orgel vor sich hin, "Strafjazz" nennt er das. Nun also ausgerechnet Hitler.Hitler, wie ihn Helge Schneider sieht, wie ihn Dani Levy inszeniert.Dieser Hitler, im Dezember 1944, ist eine armselige, depressive Figur.Sein früherer Schauspiellehrer, ein Jude, wird aus dem Konzentrationslager geholt, um ihn auf eine letzte große Rede vorzubereiten.Die Gespräche geraten zu Therapiestunden, in denen der Diktator über seine schwere Kindheit klagt.Schließlich will er sogar kuscheln.In einer einsamen Nacht legt Hitler sich zu seinem Lehrer und dessen Frau ins Bett.Die Komödie muss übertreiben, das ist ihr Wesen.Aber darf man Hitler so jämmerlich zeigen, dass man Mitleid hat?Ja, sagt Helge Schneider. " Man könnte schließlich genauso gut sagen: Es ist gefährlich, ihn nur als böse Puppe darzustellen." Allerdings hätte er sich gewünscht, dass der Film an manchen Stellen eindeutiger wäre. " Vor allem Hitler wird sehr neutral betrachtet." Wie wurde denn in seiner eigenen Familie mit der NS-Zeit umgegangen? Wie in den meisten Familien, sagt Schneider, Jahrgang 1955.Es wurde nicht darüber gesprochen. " Aber ich war mir sicher, dass mein Vater aufgrund seiner Persönlichkeit nichts damit zu tun hatte."Mehr will er nicht sagen.Schließlich sei er Künstler.Da brauche das Publikum nicht sein ganzes Leben zu kennen, seine Arbeit müsse für sich allein stehen. Vielleicht, sagt er zum Schluss des Gesprächs noch, mache er mit Hitler einmal etwas ganz Eigenes.Die Silikonmaske vom Set habe er behalten dürfen. " Ich würde es natürlich mehr ins Absurde drehen", sagt er. " Zum Beispiel Hitler auf dem Mofa zeigen, wie er durch Düsseldorf fährt und Zeitungen austrägt."Es klingt, als sehne sich Helge Schneider danach, wieder einen richtigen Helge-Schneider-Film zu drehen.