Es gibt ein kleines Fürstentum im Herzen Europas. Dort liegt die Arbeitslosenquote bei null Prozent. Kein Bürger lebt in Armut oder fürchtet die Steuerfahndung weil niemand Steuern zahlen muss. Nein, nicht Liechtenstein. Das Fürstentum Sealand! Eine rostige Stahlbetonplattform in der Nordsee, zwölf Kilometer vor der Küste Südenglands, errichtet als Stützpunkt im Zweiten Weltkrieg, um die Briten vor der Reichsmarine zu schützen. 1967 besetzte der Exsoldat Roy Bates die künstliche Insel außerhalb der Hoheitsgewässer, rief die Monarchie aus und ließ Pässe und Briefmarken drucken. Nach diversen Gewaltakten ist allerdings nicht erkennbar, wer heute auf der meist unbewohnten Weltkriegsruine das Sagen hat: Fürst Roy, sein Sohn Michael oder ein gewisser Johannes Seiger aus dem brandenburgischen Trebbin, der behauptet, Premierminister und wahrer Regent von Sealand zu sein. Von derlei diplomatischen Petitessen abgesehen, erzwingen die Wirtschaftsnachrichten jedoch die sofortige Aufnahme Sealands in die Europäische Union. Man entwickle dort nämlich eine Energieform, um "die Raum- und Zeitbindung des Bewusstseins inkarnationsübergreifend zu überwinden". Ein bedenkenträgerfreies Technologie-Cluster mit null Steuern hat man lange gesucht in Europa. Schade nur, dass Sealand so hässlich ist. Dennoch: Seit kurzem steht das Fürstentum zum Verkauf.

Gebote ab 750 Millionen Euro.