Mit der Temperatur fing es an. Vor ein paar Jahren wurde die "gefühlte Temperatur" erfunden, die, anders als die absolute und in Grad Celsius gemessene, berücksichtigt, wie grauslig kalt es der Mensch so findet.

Seither erfühlen wir alles mögliche: Wir kennen, ein neues Beispiel, die gefühlte Inflation, die gefühlte Stagnation, Gewalt, Zeit, Nähe, den gefühlten WM-Sieg, Benzinpreis, Sommer, Vorteil und den Krieg. Wir misstrauen dem absolut Messbaren. Unsere Sprache gewinnt just in jenen Jahren das Partizip "gefühlt" hinzu, in denen wir uns nach Wärme, nach Menschlichkeit und Subjektivität sehnten wie lange nicht.