Herr Kleinfeld sagt über sich selbst, er habe in diesem Jahr nicht an sich gezweifelt, "nicht eine Sekunde". Das löst in mir die erstaunte und erschreckte Frage aus, ob er uns hier unfreiwillig Auskunft gibt über ein wesentliches Manko und gefährliches Unvermögen, dem er (und auch andere unserer Spitzenmanager?) unterliegt.

Auf allen Gebieten, auf denen Entscheidungen getroffen werden, die für unsere Mitmenschen von wesentlicher oder gar existenzieller Bedeutung sein könnten, gehören Selbstzweifel zum Rüstzeug der Entscheidungsträger.

Selbstzweifel bedeuten einen Schutz unserer Mitmenschen vor anmaßendem und unbedachtem Machtgehabe. Sie sind Nährboden einer verantwortungsbewussten und klugen Handlungsweise. In diesem Sinne stünden mehr Selbstzweifel Herrn Kleinfeld durchaus gut zu Gesicht!

Könnte es sein, dass Herr Kleinfeld sich nur scheut, mögliche Selbstzweifel coram publico zu äußern? Dies würde wahrscheinlich dem Selbstverständnis in weiten Kreisen unserer Wirtschaftsführer entsprechen und wäre für mich Anlass, auf eine bessere und maßvollere Führung des Siemens-Konzerns zu hoffen. In jedem Fall aber möchte ich Herrn Kleinfeld zum neuen Jahr zurufen: Seien Sie mutig und klug, zweifeln Sie mehr an sich!

Dr. Roland Schürmann, Neuss

Herr Kleinfeld bestätigt in beeindruckender Weise die Feststellung der großen amerikanischen Historikerin Barbara Tuchman in ihrem Buch Die Torheit der Regierenden:

"Niemand ist sich seiner Prämissen so sicher wie der Mann, der zu wenig weiß." Die Wirklichkeit innerhalb seiner Firma hat Herrn Kleinfeld leider schon längst eingeholt. Wen beeindrucken die Aussagen eines solchen Managers noch?