Es hätte noch schlimmer kommen können in der Großen Koalition, die künftig Österreich regiert. Erleichtert atmeten die Sozialdemokraten rund um den neuen Kanzler Alfred Gusenbauer auf: Zumindest der abgewählte, aber dennoch dominante Wolfgang Schüssel, ihre alte Nemesis, und dessen Günstling Karl-Heinz Grasser, der schillernde Budgetjongleur, werden ihnen im zermürbenden Regierungsalltag erspart bleiben. Beide nahmen bittersüßen Abschied von Amt und Würden und überlassen es einem weniger kontroversen Nachfolger, die Konservativen in einer lustlosen Koalition anzuführen, für die es letztlich nur eine Rechtfertigung gibt: In drei Monaten ließ sich keine Alternative dazu in der zerstrittenen Parteienlandschaft finden.

Verhandlungsgrundlage zwischen Rot und Schwarz war das gegenseitige Misstrauen. Das Resultat entspricht der Ausgangssituation: Ein Minimalkonsens, getragen von dem beiderseitigen Willen, dem ungeliebten Partner möglichst wenig Erfolgserlebnisse zu gönnen.

Dennoch befürchten viele Genossen, ihre Partei habe einen zu hohen Preis für die Rückkehr in das Kanzleramt gezahlt. Zentrale Wahlversprechen wurden geopfert, bedeutsame Ministerien, darunter das strategisch wichtige Finanzressort, dem Kontrahenten überlassen.

Ehrgeizige Pläne, innovative Ideen oder mutige Reformvorhaben sucht man vergeblich in dem Koalitionsabkommen. Es verspricht vier Jahre kleinkarierten Feilschens, um von einer vorteilhaften Ausgangsposition in den nächsten Wahlgang ziehen zu können.