Er klatscht in die Hände, nicht laut, sondern kurz und trocken. Die Geste signalisiert: "Erledigt." David Zwirner hatte kurz das Gespräch in seinem hellen Büro über der Galerie im New Yorker Stadtteil Chelsea unterbrechen müssen, um ein Telefonat mit einem großen deutschen Sammler zu führen. Es ging um viel Geld und die Rettung einer wichtigen Geschäftsbeziehung. Jemand hatte dem Sammler ein böses Gerücht über Zwirner erzählt. " Ab einem gewissen Erfolgsniveau treten einem die Kollegen gerne vors Schienbein", sagt Zwirner. Das freut den 42-Jährigen fast ein wenig, denn er hat derzeit ein sehr hohes Erfolgsniveau: Zu den dreißig Künstlern, die er in New York vertritt, gehören Thomas Ruff, Neo Rauch, Raymond Pettibon und Isa Genzken alles Namen, die auf dem Kunstmarkt für hohe Preise sorgen. Zwirner hat am Aufbau der Sammlung Flick mitgearbeitet und diverse Listen zählen ihn zu den Top Five der international agierenden Kunsthändler.

Wie viel Umsatz macht so einer? " Das ist eine unmögliche Frage, die beantworte ich nicht." Hundert Millionen Dollar seien es im Jahr, munkeln manche. Zwirner bestätigt nur erstaunliche Wachstumsraten: Um jeweils 50 bis 100 Prozent hat sein Geschäft in den vergangenen sechs Jahren zugelegt. Über dreißig Angestellte arbeiten in seiner im letzten Sommer auf 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche aufgepimpten Megagalerie. Dort gibt es Assistenten, die sich nur um die Umzüge und Arztbesuche der Künstler kümmern, und einen besonders geduldigen Mitarbeiter, der allein jene neuen Sammler betreut, die sich im Kunstmarkt noch gar nicht auskennen.

Eigentlich wollte David Zwirner Musiker oder Musikproduzent werden, auf keinen Fall aber mit Kunst handeln denn das machte ja bereits sein Vater mit großem Erfolg. Doch irgendwann begann er in der Hamburger Produzentengalerie Kunst zu kaufen. 1993 eröffnete er dann in Manhattan seine eigene Galerie, zu einem Zeitpunkt, als viele andere Händler schließen mussten, weil sie den Zusammenbruch des Kunstmarkts finanziell nicht verkraftet hatten. David Zwirner stellte junge, damals noch unbekannte Künstler aus: Jason Rhoades, Luc Tuymans und Stan Douglas (dessen neuesten Arbeiten er gerade wieder eine Ausstellung widmet). Die Kosten für seine ersten Galerieräume in Soho finanzierte er mit Geschäften auf dem secondary market, also dem Handel mit Kunstwerken, die nicht frisch aus dem Atelier kommen, sondern schon einmal den Besitzer gewechselt haben. Auch heute noch sorgt der Sekundärmarkt für einen guten Teil seines Gewinns, Zwirner hat dafür zusammen mit dem Züricher Ivan Wirth eine eigene Galerie gegründet, und zwar nicht in Chelsea, sondern an der Upper East Side, wo in Manhattan traditionell das Geld logiert. Hier zeigen und verkaufen Zwirner &amp - Wirth Arbeiten von Dan Flavin, Gerhard Richter, Bruce Nauman und Cy Twombly.

In Zwirners Programmgalerie downtown drängen sich inzwischen immer mehr anderswo unzufrieden gewordene Künstler wie der Brite Chris Ofili oder die latent kitschig malende Lisa Yuskavage. Zwirner bietet ihnen ein Rundum-sorglos-Paket, hohe Preise und die Nähe zu respektierten Kollegen. Kleinere Galerien können da nicht mehr mithalten.

Doch was macht Zwirner mit seinem mittelständischen Unternehmen, wenn es eine Baisse gibt, wenn plötzlich keiner mehr Millionen für Tuymans zahlen will? " Die Galerieräume sind gekauft, wir haben ein volles Lager und keine Schulden. Eine kleine Krise wäre gar nicht so uninteressant", sagt Zwirner und klatscht wieder in die Hände. Zurück nach Deutschland ziehe es ihn übrigens nicht. Aber vielleicht eröffne er in ein paar Jahren eine Filiale in Europa. Das, so sagt er, wäre der nächste logische Schritt.