So klar hatte es noch niemand gesagt. Doch auf dem Europäischen Gipfel in Brüssel redete Angela Merkel kürzlich ganz offen. " Dann bereiten wir noch den EU-Afrika-Gipfel vor. Weil es so einen lange nicht gab.

Und weil China kürzlich einen gemacht hat", sagte die Bundeskanzlerin auf eine Frage nach ihrem Programm der deutschen EU-Präsidentschaft.

Für sie war das nur eine Nebenbemerkung. Für manchen Entwicklungspolitiker bestätigte Frau Merkel damit schlimme Befürchtungen: Interessiert sich Europa etwa nur für Afrika, weil die Chinesen auch dorthin kommen?

Offiziell wird Europas Entwicklungspolitik natürlich ganz anders begründet. " Die EU will in Partnerschaft mit Afrika Frieden und Wohlstand erreichen", steht beispielsweise in der Afrikastrategie der EU, unterschrieben von allen Mitgliedsregierungen. Dann folgen viele weitere schöne Sätze über Entwicklung und Armutsbekämpfung, Partnerschaft, Solidarität und Selbstbestimmung. Schließlich folgt noch ein Hinweis auf das Geld immerhin ist Europa der größte Geber auf dem Subkontinent , und fertig ist die EU mit ihrer politisch ganz korrekten Laudatio auf das wunderbare Tun in der Welt.

Die Realität sieht anders aus. Da entwickelt sich seit geraumer Zeit ein ernster Konflikt zwischen der EU und Teilen der afrikanischen, karibischen und pazifischen Entwicklungsländer (AKP) und zwar wegen der Handelspolitik. Die EU-Kommission versucht die AKP-Staaten zu neuen Abkommen, den so genannten Europäischen Partnerschaftsabkommen (EPA), zu drängen. Bis Ende 2007 soll das Ganze abgeschlossen sein.

"Die EPAs sorgen für mehr Wachstum und mehr Möglichkeiten", preist die EU-Kommission diese Strategie. Sie wolle so endlich die Handelspolitik mit der Entwicklungspolitik verknüpfen. Nur durch mehr Handel und den Abbau von Schranken könne der Wirtschaft Afrikas nämlich geholfen werden und damit den Menschen dort.

Bis zu 80 Prozent der Zölle sollen die Afrikaner fallen lassen EU-Kommissar Peter Mandelson sagt es so: "Die EPAs sollen für eine stärkere Integration Afrikas in die Weltwirtschaft sorgen." Große Teile der europäischen Dritte-Welt-Szene entgegnen darauf mit einem Slogan: "Stoppt EPAs". Sie sehen darin einen weiteren Feldzug der Wirtschaft des Nordens. Unter dem Mäntelchen der Hilfsbereitschaft zwinge die EU die Armen, ihre Märkte für diese übermächtige Konkurrenz zu öffnen. Bis zu 80 Prozent der Zölle sollen die Afrikaner im kommenden Jahrzehnt fallen lassen, steht in den EPAs, und auch ihren Dienstleistungsmarkt für die mächtigen Anbieter aus dem Norden öffnen.