Der Morgen des 11. Juli 1804 brachte, nach unerträglich schwülen Tagen, eine angenehme Frische. Vom Boot aus blickte Alexander Hamilton noch einmal zurück auf das erwachende New York, auf das geschäftige Treiben an den Kais, an denen Fracht für Kunden in aller Welt in die Laderäume der Segelschiffe gehievt wurde. Das war sie seine Vision von Amerika als einer Nation, die nicht durch Krieg und Kolonisierung, sondern allein durch den Handel, allein durch ihre expandierende Industrie, den Fleiß ihrer Arbeiter und das Genie ihrer Wirtschaftsmagnaten zu einer Weltmacht werden würde. Eine Weltmacht, die nach Hamiltons Credo allerdings nie die Interessen ihres Souveräns vergessen dürfe: "Das Gebäude des amerikanischen Empire ruht fest auf der Zustimmung des Volkes."

Vier Männer ruderten Hamilton, seinen Sekundanten Nathaniel Pendleton und den Arzt David Hosack von Greenwich Village aus über den Hudson, auf die Küstenlinie von New Jersey zu. Neben der Tasche des Arztes stand ein kleiner Kasten, der zwei Pistolen mit Walnussholzgriffen enthielt.

Nicht überall im Land teilte man Hamiltons Vision. Vor allem im Süden träumte man von einem Amerika der Plantagen und der Landwirtschaft, dessen Wohlstand auf dem Schweiß von Sklaven beruhte für Hamilton ein Albtraum. Und so standen sich in jenen Tagen zwei Parteien unversöhnlich, ja oft mit Hass gegenüber: die Föderalisten, als deren wichtigster Kopf Hamilton galt, und die Republikaner, die eine möglichst schwache Bundesregierung bei weitgehenden Rechten der Einzelstaaten wollten. Tätlicher Streit zwischen beiden gehörte längst zum amerikanischen Alltag.

Doch am anderen Ufer des Hudson, im Wald von Weehawken, erwartete Hamilton keiner seiner großen ideologischen Kontrahenten, weder Präsident Thomas Jefferson, noch dessen engste Mitstreiter, James Madison und James Monroe. Stattdessen stand dort der Vize-Präsident der USA, Aaron Burr. Zweifellos ein hochrangiger Gegner, doch ein Mann ohne erkennbare politische Prinzipien. So waren es nicht ideologische Differenzen, die zu diesem "Interview" (wie man ein Duell verschleiernd nannte) geführt hatten, als vielmehr blanker Hass zwischen zwei Rivalen innerhalb der sich bildenden politischen Klasse einer neuen Nation.

Beide Männer nahmen ihre Position ein, gut zehn Schritte voneinander entfernt. Als Pendleton das Kommando "Präsentiert!" gab, hoben Burr und Hamilton ihre Pistolen. Fast gleichzeitig krachten die Schüsse.

Hamilton hatte seinem Sekundanten vorher anvertraut, er wolle in die Luft schießen, wolle kein Menschenleben nehmen. Burr jedenfalls kannte keine Skrupel. Seine Kugel zerfetzte Hamiltons Leber und blieb in dessen Wirbelsäule stecken. Man ruderte den Schwerverletzten zurück nach New York. Noch einen Tag rang Alexander Hamilton mit dem Tod, dann gab der Körper auf.

Es war das romanhafte Ende eines romanhaften Lebens. Schon Hamiltons Herkunft war von Legenden umgeben. Als "Ausländer" und "Bastard" sah er sich oft verunglimpft, eine Denunziation, die ihn kränkte und die dazu führte, dass er dünnhäutig wurde und trotz seines blendenden Charmes und immensen rhetorischen Geschicks unsicher, und die ihn letztlich wohl auch anfällig machte für die tödliche Verlockung, seine Ehre in einem Duell zu "verteidigen". Kein Geringerer als Jefferson, der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, fluchte einmal ob Hamiltons Einfluss: "Es ist monströs, dass dieses Land von einem ausländischen Bastard regiert wird!"