Fernsehen ist das Medium der Wiederholung. Man kann es nicht oft genug sagen und hat es auch schon getan, aber meist mit einem missbilligenden Unterton, der gänzlich fehl am Platze ist. Denn erst die Wiederholung ist die Mutter der Erkenntnis. Erst die brüllende Langeweile, die der Kinoschinken Pearl Harbor in der abermaligen Ausstrahlung freisetzt, lenkt den Blick auf die alles entscheidende, aber bisher immer übersehene Szene, in der die beiden amerikanischen Helden Blut für ihre verwundeten Kameraden spenden.

Das Blut fließt aber nicht in die heute üblichen Plastiksäckchen, sondern in zwei – Coca-Cola-Flaschen. Wirklich und wahrhaftig, man kann den Schriftzug deutlich lesen. Ehe wir allerdings die Frage nach Glanz und Elend eines gerissenen Product-Placements diskutieren, sollten wir den patriotischen Sinn auskosten. Das ist zunächst der Verweis auf das amerikanische Improvisationstalent. Mitten in der Niederlage von Pearl Harbor kündigt sich hier schon der spätere Sieg an. Hätten die verknöcherten Achsenmächte Japan und Deutschland jemals die bürokratischen Skrupel überwunden, um Spenderblut in Teekännchen oder Bierflaschen aufzufangen?

Und nach dem Krieg: War es da Jasmintee oder Schultheiß oder Coca-Cola, das zur international geschätzten Weltmarke aufstieg? Es ist nun einmal so, dass weder Tee noch Bier die Tönung haben, die es wahrscheinlich machen könnte, dass in ihnen die kostbare Essenz jugendlichen Heldentums aufgefangen ist. Bis auf den heutigen Tag ist Coca-Cola das einzige Erfrischungsgetränk geblieben, das glaubhaft den freiheitlichen Opfermut des Westens repräsentiert. Die Afghanen, die nach dem Sturz des Taliban-Regimes entschlossen zum amerikanischen Weltbefreiungssaft griffen, wussten sehr wohl, was sie taten, und nichts als Eifersucht steckte hinter dem Spott der deutschen Medien, die vor dem globalisierten Konsum warnten.

Was hätten sie auch stattdessen empfehlen können? Schöfferhofer Weizen? Und stellt man sich den dazugehörigen Landser nicht unweigerlich betrunken vor, wie er in die leer gesoffene Flasche pinkelt, bis es schäumt? Mit anderen Worten: Nichts erlöst uns von der Erkenntnis, dass nur die USA es geschafft haben, ihren Konsumprodukten den idealistischen Glanz zu geben. In Nutella steckt vielleicht das Beste aus einem halben Liter entrahmter Milch; in Coca-Cola aber das Beste aus den Adern einer Welterlösungsarmee. Das ist nicht zu toppen.