Lebensart und gute Küche gehören zu den Nationaltugenden der Franzosen. Doch beim Einkaufen sind sie längst vollständig amerikanisiert und verfügen über Europas größte Supermarktketten.

Diese Handelsriesen kommen zwecks Ankurbelung der Konsumfreude ständig auf neue Ideen. Mit großen Anzeigenkampagnen geiselten sie vor zwei Jahren die steigenden Lebenshaltungskosten und hebelten so die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreise aus, die bislang die kleinen Händler vor dem Preisdumping der großen schützten.

Jetzt haben sie eine weitere Bastion gestürmt: Seit Januar dürfen sie im Fernsehen werben. Schätzungsweise 250 Millionen Euro wollen Ketten wie Auchan, Carrefour oder Leclerc ausgeben, um zur Hauptsendezeit den Franzosen ihre Eigenmarken anzupreisen. Leidtragende der neuen Werbefreiheit sind vor allem die Printmedien. Ohnehin durch Auflagenverluste und Anzeigenrückgang geschwächt, befürchten sie bis zu zehn Prozent Werbeeinbußen. Doch marktschreierischen Wettkampf mit tagesaktuellen Preisknüllern soll es auf dem Bildschirm nicht geben: Wer Billigangebote macht, muss laut Gesetzgeber die Preise fünfzehn Wochen halten. Und Michel Edouard Leclerc, der Marktführer und oberste Preisbrecher Frankreichs, beruhigt die Verlage: "Für uns wird das Fernsehen nur eines von vielen Medien sein."