Auf in den Wilden Osten! Man hat ja so einiges gehört. Es soll dort rau zugehen und sogar kriminell. Eventuell Bären! Man braucht dicke Jacken und Schutzimpfungen. Das Geld heißt Lew und Leu. In dem einen Land schreibt man kyrillische Buchstaben und schüttelt den Kopf, wenn man ja meint. In dem anderen bestehen die Straßen aus Löchern.

Dreizehn Journalisten aus Deutschland, tätig für Presse und Funk, sind auf Expedition. Gesucht: Wissenschaftler. Großwild, scheu. Wir wollen sie in ihren Instituten und Labors aufsuchen. Fragen stellen.

Hinhören.

Und Augen offenhalten. Wenn unsereiner an Spitzenforschung denkt, schaut er in Richtung USA. Vielleicht noch nach Westeuropa. Nach Asien. Allenfalls nach Russland. Selten wird er an die anderen osteuropäischen Länder denken. Und nie, niemals an Bulgarien oder Rumänien, an die beiden Länder, die seit dem 1. Januar 2007 zur EU gehören. Das gefällt der Robert Bosch Stiftung nicht, die regelmäßig Journalisten in die Fremde schickt, um deren "Blick auf Wissenschaft und Forschung im europäischen Ausland, besonders in den neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu weiten". Darum die Reise.

Sofia. Ein kalter Tag. Schnee liegt auf den Autos. Auf den Luxuskarossen, die vor unserem Hotel parken. Das Sheraton Sofia Balkan, das sich selbst "Oase des Luxus, des raffinierten Service" nennt, "umzingelt von Staatsgebäuden, Ministerien, Business- und Kulturestablishment das pulsierende Herz der Stadt". Das Zimmer kostet in der Nacht, was ein bulgarischer Lehrer im Monat hat rund 200 Euro. Mit dem Reisebus geht es los, die historische und mehr noch historisierende City ist schick und aufgemöbelt, elegante Cafés voller Nichtsnutze, frisch getünchte Gotteshäuser. Und vor allem eins: Autos.

Unmengen von Autos, die der Hauptstadt neuerdings und zuverlässig ein grandioses Verkehrschaos bescheren. Erste Erfahrung mit, wie wir sehen werden, genereller Gültigkeit: Man verspätet sich. Immer. Erheblich.

Und niemand findet das erwähnenswert.