Jeder Denkmalbesitzer kennt sie: die verschärften Bauauflagen, die penible Dokumentationspflicht bei Umbauten und eine öffentliche Förderung, die bestenfalls die Mehrkosten der Handwerkerleistungen deckt. So ist es kaum verwunderlich, dass der Denkmalstatus bei vielen Bauherren zunächst auf Entsetzen oder gar Ablehnung stößt. Jeder Eigentümer ist gesetzlich dazu verpflichtet, für die bauliche Unterhaltung seines Denkmals selber aufzukommen ein öffentlicher Auftrag gewissermaßen, der weder Unterschiede zwischen armen und reichen Hausbesitzern noch zwischen privater und staatlicher Verantwortung macht. Dabei sind knapp neunzig Prozent aller in Deutschland registrierten Denkmäler in privatem Besitz.

Natürlich sind die Auflagen des Denkmalschutzes ein legitimes Mittel, damit auch historisch wertvolle Substanz erhalten bleibt und nicht von der Bauwirtschaft, die auf neue Materialien fixiert ist, vernichtet wird. Dennoch sieht sich so mancher Bauherr gegängelt und zwar nicht nur vom Denkmalschutz, sondern auch von den Auflagen der Baubehörden.

Der Eigentümer wird aufgerieben zwischen den sich oftmals widersprechenden Vorschriften der Ämter.

Kommt er auf den Gedanken, die historischen Fenster seines Hauses zu verändern, sagt ihm der Denkmalschutz in der Regel, die Fenster dürften nur aufgearbeitet und keinesfalls verändert werden - die Baubehörde fordert hingegen, alle Wärmeschutzauflagen müssten von den neuen alten Fenstern erfüllt werden. Will ein Schlossherr seine Prachtsäle für öffentliche Veranstaltungen öffnen, unterliegt er der Versammlungsstättenverordnung. Diese schreibt ihm pro Besucherplatz einen bestimmten Bestand an Toiletten vor. Soll das Anwesen auch noch barrierefrei werden, müsste so manche pittoreske Treppenstufe unter einer Rampe verschwinden. Die wohlgeformte Proportion einer Tür wäre im Nu entstellt. Nicht selten wird so der Denkmalcharakter durch die Vorschriften beschädigt. Warum pochen die Ämter oft so streng auf die Einhaltung der Auflagen? Weshalb gibt es nicht häufiger Ausnahmen, damit ein Denkmal nicht von den Vorschriften beschädigt wird?

Der Konflikt ist eindeutig: Von Bauordnungen, die heute in den einzelnen Bundesländern gelten, konnten die Architekten des Klassizismus oder der Gründerzeit nichts wissen. Sie entwarfen ihre Häuser ohne einen 40 oder gar nur 30 Meter kurzen Fluchtweg. Die häufige Folge: Ein kostenintensives Fluchttreppenhaus muss ergänzt werden, will man das Gebäude für eine neue Nutzung umbauen. Dasselbe gilt für einen statischen Nachweis: Selbst wenn ein Haus seit 200 Jahren steht, muss ein Bauherr bei einem Umbau das konstruktive Gerüst neu berechnen lassen, gehört es doch zu den erforderlichen Unterlagen eines Bauantrags.

Nur in zeitraubenden Verhandlungen bewegen sich staatlicher Denkmalschutz und privater Investor aufeinander zu. Manchmal, im wahrsten Sinne des Wortes, in Zentimeterschritten. Wenn die Genehmigungsbehörden ihre Auflagen lockern, werden sich die Bauherren vielleicht weniger sträuben, bauhistorisch bedeutende Details in teurer Handarbeit aufbereiten zu lassen.