Viele haben es immer geahnt, andere glauben es jetzt genau zu wissen: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer hemmt den Aufschwung. Drei Prozentpunkte rauf bei der Steuer, das treibt die Preise in die Höhe und beschert dem Staat schätzungsweise 24 Milliarden Euro Mehreinnahmen. Im gleichen Umfang sinkt die Kaufkraft der privaten Haushalte und die fehlt, um die Konjunktur in Schwung zu halten.

Eine einfache Rechnung. Zum Glück zu einfach, um aufzugehen.

Zunächst einmal gibt es keinen Anlass für Alarmmeldungen. Noch fehlen halbwegs zuverlässige Erkenntnisse über die Entwicklung der Verbraucherpreise seit Jahresbeginn. Knapp zwei Wochen nach Gültigkeit des neuen Satzes von 19 Prozent wäre das auch ein bisschen viel verlangt. Das Statistische Bundesamt hat eigens einen Preismonitor ins Internet gestellt, damit jedermann sich informieren kann, was Leberwurst, Möbel, Toilettenpapier, Damenjeans oder Kinokarten von Monat zu Monat kosten. Aber die aktuellsten Zahlen sind vom November, kommende Woche werden die Mitte Dezember ermittelten Daten eingestellt. Und sollten die Preise dann gestiegen sein, können die Statistiker nicht mit Sicherheit sagen, ob das als Vorzieheffekt für die anstehende Steuererhöhung zu interpretieren ist oder nicht.

Vorerst deutet vieles darauf hin, dass die Verbraucherpreise erst einmal sinken, weil der Einzelhandel im ganzen Land mit mehr oder weniger spektakulären Rabattaktionen auf Kundenfang geht nachdem er vorher allerdings teilweise die Preise erhöht hatte. Natürlich wird die offensiv zur Schau gestellte Bescheidenheit nicht von Dauer sein, aber eine Teuerungswelle zum Jahreswechsel gibt es erst einmal nicht.

Der Einzelhandel wird sich zudem hüten, nach Sonderaktionen und Kampfpreisen unvermittelt auf Teuerung zu setzen und die Kunden aus den Geschäften zu vertreiben. Eine gewisse Normalität wird sich nicht vor Anfang Februar einstellen, dann erst kann man den längerfristigen Preistrend erkennen. Und frühestens von diesem Zeitpunkt an wird man gegebenenfalls von einem Steuro-Effekt reden können, so wie vor fünf Jahren der neue Euro von den Verbrauchern als Teuro empfunden wurde.

Vorerst ist völlig offen, in welchem Umfang die zusätzliche Mehrwertsteuer überhaupt auf die Verbraucherpreise aufgeschlagen wird.

Industrie und Handel werden darauf achten, dass sie ihre Kunden nicht verlieren, je nach Intensität des Wettbewerbs werden sie einen Teil der zusätzlichen Last selber tragen müssen. Ein Drittel, so schätzen viele Experten, wird es mindestens sein. Jedenfalls wird die Überwälzung auf die Endpreise nicht in einem Zug vorgenommen, das geschieht allenfalls über einen längeren Zeitraum.