Die musikalische Kuhglocke: zuerst bewusst wahrgenommen als afrokubanisches Instrument, wahrscheinlich auf der ersten Santana-Langspielplatte, die meine Eltern besaßen. (Hatten sie, die sich eher Platten von Stan Getz, Claudine Longet oder den Beatles kauften, diesen Tonträger von Partygästen mitgebracht bekommen?) Ich verstand sie nicht gleich, diese die Musik etwas penetrant, zumeist auf der Eins, vorantreibende Kuhglocke (zu sehen war sie, etwas später, auch: in dem Kinofilm über das Woodstock-Festival), hatte, pubertierend ins blühende Hippie-Zeitalter hineinwachsend, gegen dieses bald den Argwohn des Nachgeborenen entwickelt und folglich nicht allzuviel übrig für den gern exzessiven Hang zum expressiv Perkussiven, der in den älteren Geschwistern meiner Freunde sofort einen unauslöschlichen Mitmachimpuls auslöste. (Noch vor wenigen Monaten bin ich aus San Franciscos Golden Gate Park angesichts ganzer Batterien von Congas geflohen.) Überzeugender waren in den 1970er Jahren die Salsa-Perkussionisten mit ihren gestärkten Kunststoffanzügen und in den 1980ern ein hypnotischer afroamerikanischer Kuhglocken-Funk namens Go-Go. Doch für Meinesgleichen, mittlerweile herangewachsen, war sie noch immer unmöglich, die Kuhglocke in der Musik. Als wir (ich spiele seit 1980 in derselben Band) unserem Schlagzeuger Anfang der 1990er Jahre eine Kuhglocke schenkten, war das noch ein eher ironischer Wink (auch dem Hintergedanken geschuldet, eventuell mal so richtig stumpf drauflos rocken zu können), heute aber besitze ich selber eine, die ich mit großer Vorliebe, sichtbar, traktiere.

Es sind vor allem jüngere Bands, die sich einer tanzbaren Form postmoderner Popmusik verschrieben haben, die uns den Gebrauch der musikalischen Kuhglocke heute vorbildlich vor (Ohren und) Augen führen: The Rapture, die auf ihrem neuen Album Pieces of the People We Love die frühen Talking Heads und den sonischen Visionär Arthur Russell neu verwerten, oder der atemberaubende, wunderbare Lärmkaskaden entfesselnde DFA-Remix des Gorillaz-Hits Dare (für mich der Partyknaller 2006). Auch Spank Rock (deren Yo Yo Yo Yo-Album für mich das beste des vergangenen Jahres war), mit ihrer tollen Gratwanderung über HipHop und House, finden immer wieder Platz für die groovetechnisch jetzt bestens gebettete Kuhglocke.