Alles begann mit Octavia Hill, einer viktorianischen Dame, die sich um den idyllischen Garten von Sayes Court aus dem 17. Jahrhundert sorgte.

Kurzerhand beschloss sie 1884, mit ein paar Freunden den National Trust zu gründen, eine Organisation, die bedrohte englische Natur- und Kulturdenkmäler erwirbt und zugänglich macht. Es wurde die erfolgreichste Bürgerinitiative der Welt.

Als Erstes kaufte der Trust für zehn Pfund ein Haus in Sussex, 1899 kam das erste Moor in die Hand des Trust. Inzwischen besitzt er mehr als 200 Landhäuser und Schlösser, Burgen, Kirchen und Kapellen, 1300 Kilometer Küstenlinie, 250000 Hektar Agrarland und 47 Industriedenkmale. Es geht dem National Trust um die Gesamtheit dessen, was als britisch gilt. Er betreibt deswegen auch 35 Pubs und Gasthäuser sowie Sammlungen, die von erlesener Kunst bis zu Rasenmähern reichen. Mehr als 50 Millionen Besucher werden jährlich gezählt, 3,4 Millionen Briten sind Mitglied.

Allerdings steht der National Trust seit einiger Zeit in der Kritik.

Denn das England-Bild, das er bewahrt, ist das des 19. Jahrhunderts: weiß, ländlich, patriarchalisch, klassengetrennt. Heute fordern die Einwanderer aus Afrika, Indien oder China, dass auch ihre Geschichte in das nationale Erbe integriert wird, so wie einst die der Industriearbeiter. Dennoch ist der National Trust das Vorbild für Kunst- und Kulturmanager in aller Welt auch für Gottfried Kiesow, damals hessischer Landeskonservator, der 1985 einige Wirtschaftsleute um sich sammelte, um die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu gründen.

Seit seiner Pensionierung 1996 ist Kiesow ihr Vorsitzender. Die Stiftung sollte bedrohte Gebäude übernehmen und sie nach der Sanierung an neue Nutzer übergeben. Doch nach dem Ende der DDR übernahm sie eine viel größere Aufgabe.

Es drohte der Verlust ganzer Altstädte, Tausender Kirchen, Schlösser, Guts- und Stadthäuser. Die Stiftung sprang oft in letzter Minute ein.