Alzenau/Las Vegas Was am meisten wundert: Er lacht, wenn er erzählt. Laut und oft. Er sagt: "Niemand kann das Lachen von mir wegnehmen außer der Tod!"

Selbst hinter Gittern hat er gelacht. Obwohl es kalt war. Obwohl er auf Beton liegen musste, ohne Decke. Obwohl er nicht schlafen konnte, weil der Fernseher dröhnte und die Neonröhren brannten. Obwohl er seine Tabletten nicht bekam, die den nächsten Herzinfakt verhindern sollen. " Das ist Folter!", sagt er. Er lachte trotzdem, und ein Zellenkumpan, groß, Tätowierungen überall, gefährlich aussehender Typ, der lachte also auch und bot Majed Shehadeh seine Pritsche an.

Während der Verhöre riss Shehadeh sich zusammen. Er wollte nicht lachen, auch wenn die Fragen noch so absurd waren: Kennen Sie die Mörder von Rafiq Hariri des früheren libanesischen Ministerpräsidenten also? Unterstützen Sie die Hamas mit Geld? " Die Fragen", sagt Shehadeh, "waren nicht seriös." Majed Shehadeh, 62, aus Alzenau im Unterfränkischen, Deutschsyrer, für deutsche Tiefbaufirmen im Nahen Osten unterwegs. Ohne dass ein Grund genannt wurde, nahm man ihn fest, am 28. Dezember, 14 Uhr, am Flughafen von Las Vegas, er kam aus Frankfurt, wollte die Anwaltszulassung seiner Tochter feiern. Am 31. Dezember, 17.30 Uhr, setzte ihn dann ein Beamter in das Flugzeug nach Frankfurt. Zuvor musste er unterschreiben, dass er das Land freiwillig verlässt. Sonst, so drohte man, werde er fünf Monate im Knast bleiben: "Niemand kann dir helfen, auch kein Gericht."

Shehadeh, gläubiger Muslim, hat an Amerika geglaubt. In den sechziger Jahren besuchte er die American University of Beirut, feierte den 4.

Juli. In den Siebzigern heiratete er eine Amerikanerin, kaufte ein Haus in der Nähe von Boston. Dort möchte er auch in Zukunft seine Ferien verbringen. Doch er befürchtet, nie wieder in die USA einreisen zu dürfen. In seinem Reisepass steht nun "refused". Abgelehnt. " Warum sollte mir die US-Botschaft da noch ein Visum ausstellen?" Er sei froh, zurück in Deutschland zu sein, "in einem Rechtsstaat", wie er sagt.