In Deutschland bleibt Schwarz-Grün in Ganz-Groß ein Planspiel, in Amerika hat einer den Traum schon verwirklicht, jedenfalls in seiner eigenen Person. Wo? Natürlich in Kalifornien, wo ohnehin andauernd die Zukunft erfunden wird, seitdem ein Bayer namens Levi Strauss im gold rush 1849 aus Nieten und Drillich jene Blue Jeans zusammenbaute, die hundert Jahre später die Welt erobern sollten.

Passenderweise kommt der Mann ganz aus der Nähe von Levi Strauss, aus der Steiermark, und heißt Arnold "Arnie" Schwarzenegger. Gerade haben sie den früheren "Mister Universum", 59, in der Hauptstadt Sacramento abermals zum Gouverneur gekrönt. Obwohl er wegen eines Skiunfalls mit silbrigen Krücken zum Amtseid auf die Bühne humpelte, ist der Republikaner der behändeste Politiker überhaupt. Begonnen hat er vor vier Jahren weit rechts im Spektrum. Im Wahlkampf des vergangenen Herbstes drehte er scharf nach links. Und heute ist der "Gubernator" eine Schwarz-Grün-Koalition auf zwei Beinen. Ob die Moral von der Geschicht auch zu Deutschland passt?

In seiner Karriere als Filmheld, zumal als dreifacher "Terminator", hat keiner mehr TNT-beschleunigte Umweltzerstörung betrieben als "Arnie" keiner mehr Tanklaster so energievergeudend hochgehen lassen, keiner mehr Gebäude wider alle Ökobestimmungen platt gemacht.

Auch im wirklichen Leben hat er sich unkorrekt verhalten. Als er sich in den frühen Neunzigern einen benzinsaufenden "Hummer" zulegte, trat er mit schlechtem Beispiel die SUV-Welle in ganz Amerika los. Noch heute raucht er wuchtige Zigarren, obwohl darauf in Kalifornien eigentlich die Todesstrafe steht - dazu zieht er sich allerdings, Gadhafi-mäßig, in ein selbstfinanziertes Zelt außerhalb des Capitols zurück.

Vorbei. Im Rückgriff auf eine nicht ganz neue Metapher vergleicht sich Schwarzenegger mit "Paulus auf der Straße nach Damaskus" und beruft sich auf die Erleuchtung, die ihn vom "falschen Weg" abgebracht hätte.

So gottgefällig reden deutsche Politiker nur noch selten, aber "Arnie" hat auch seine Amtseinführung am Wochenende mit christlicher Hingabe inszeniert. Den Eid schwor er auf einer Familienbibel aus dem Jahre 1878. Gottesfurcht und Glauben sind schon mal ein Teil der "schwarzen", also konservativen Agenda.

Wo ist der Rest? Der liegt schon etwas weiter zurück. Bis 2006, als er in die Kampagne zur Wiederwahl einsteigen musste, war Schwarzenegger der klassische "Mr. Republican". Er legte sich routinemäßig mit den mächtigen Gewerkschaften im öffentlichen Dienst an. Die Bewilligungsgesetze der Demokraten-Mehrheit im Landesparlament blockierte er so lustvoll mit seinem Veto wie einst Nikita Chruschtschow die Resolutionen im UN-Sicherheitsrat. Auch ein Lieblingsprojekt der Linken die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen schmetterte er mit seinem Verweigerungsrecht ab. Dito den Versuch, eine staatlich verordnete Krankenversicherung einzuführen.