Als Motto dient dem Theaterintendanten Ulrich Khuon ein chinesisches Sprichwort: "Ziele immer neben das Zentrum." Betrachtet man Khuons beruflichen Weg, so erkennt man eine weite, im Uhrzeigersinn wie zufällig aufs Zentrum hinführende Kurve: Konstanz, Hannover, Hamburg, Berlin. Im Jahr 2009 wird Khuon, der seit 2000 das Hamburger Thalia Theater leitet, ans Deutsche Theater Berlin (DT) wechseln, wo sein Sohn Alexander schon heute erfolgreich spielt. Ulrich Khuon, 1951 in Stuttgart geboren, ist das, was sein Kollege und eventueller künftiger Nachbar Claus Peymann vom Berliner Ensemble boshaft einen Intendantenmanager nennt: "Deutsches Theater, Thalia Theater überall Manager - deshalb gleichen sich diese Häuser so!" Khuon zieht also aus dem vergleichsweise stillen Hamburg, wo man ihn schätzt und in Ruhe lässt, da er dort ein starkes Ensemble aufgebaut, etliche heute tonangebende Regisseure (Kimmig, Thalheimer, Kusej) gepflegt, das Thalia Theater zum "Theater des Jahres" (2003) und zur besucherreichsten Bühne (2006) gemacht hat, in die bröslige, neurotisch zerraufte Hauptstadt. Aus Berlin hört man, wenn Khuons Name fällt, Seufzer der Erleichterung, als habe sich ein reifer Mediator im Tollhaus angemeldet: Endlich Ruhe am DT! 2004 wollte der damalige Kultursenator Wolfgang Flierl den Schriftsteller Christoph Hein als Nachfolger des Intendanten Bernd Wilms installieren (Teile der Öffentlichkeit und des Ensembles waren dagegen), dann sollte von 2008 an der Dramaturg und Dramatiker Thomas Oberender das berühmte Haus leiten (große Teile des Ensembles waren dagegen und wollten lieber den Regisseur Michael Thalheimer). Nun kommt also Ulrich Khuon, der als unberlinerischer, uneitler, unaggressiv verbindlicher Mann gilt. Zudem steht Khuon mit den Mächten im Bunde, die ein Theatermann in Berlin heute am dringendsten hinter sich wissen muss: Er ist studierter Jurist und Theologe.