Die Nachwehen eines erbitterten Wahlkampfes beschäftigen nun auf kuriose Art und Weise die Gerichte. Am Dienstag kommender Woche geht ein Prozess in die nächste Runde, den die Frau und die Schwägerin von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel angestrengt haben. Es geht um Pflegenotstand, illegale Pflegerinnen, Boulvardmedien, die Möglichkeiten investigativen Journalismus und – am Rande – auch um Moral in der Politik.

Zur Erinnerung: In einem Leserbrief hatte ich im August des vergangenen Jahres über die Beschäftigung illegaler Pflegerinnen in der Familie des Ex-Kanzlers berichtet. Der Brief verursachte Aufregung im Hause Österreich und Schweigen im Hause Schüssel. Nach einer Schrecksekunde erklärte die Pressesprecherin des Ex-Kanzlers, ihr Chef selbst sei in die Organisation der Pflege nie eingebunden gewesen, die Schwägerin habe sich darum gekümmert. Schüssel musste von allen Seiten Kritik einstecken, die desolate SPÖ fasste wieder Tritt und gewann am Ende sogar die Wahl.

Als Kläger tritt nun nicht nur die Familie Schüssel, sondern auch die Zeitschrift News auf. Das kam so: Nach Veröffentlichung meines Leserbriefes versuchte das Blatt mit allen Mitteln, mir die Namen der illegalen Pflegerinnen zu entlocken – zuerst eine Reporterin und schließlich News- Chefredakteur Josef Votzi selbst. Er bot mir Geld an. Ich lehnte ab, ohne nachzufragen, wie viel. Er bot mir einen Vertrag an. Ich lehnte ab, ohne nachzufragen, was er damit meinte. Er bot mir an, ich solle die Geschichte selbst schreiben. Ich lehnte ab, weil ich die Pflegerinnen davor beschützen wollte, in diese Art von Öffentlichkeit gezerrt zu werden.

Als ich einer Freundin von den aggressiven Bemühungen der Zeitschrift erzählte, entstand die Idee zu einer kleinen, medienkritischen Recherche. News sollte eine Pflegerin bekommen – allerdings eine falsche. Meine Freundin wollte sie spielen.

Würde News so dumm sein, darauf hereinzufallen? In einem Telefonat bot ich dem Chefredakteur an, ein Interview mit einer der Pflegerinnen zu vermitteln. Um Genaueres über diesen Scheckbuch-Journalismus zu erfahren, forderte ich Geld für die Pflegerin. Votzi war bereit, 1500 Euro zu zahlen.

Das Interview fand in einem Seitenflügel des Palais Schwarzenberg statt. Offenbar vernebelte die Gier nach der Geschichte Blick und Gehör des News- Reporters. Denn allein schon dieser Ort – der vorgebliche neue Arbeitsplatz der Pflegerin – hätte einen aufmerksamen Journalisten stutzig machen müssen. Dazu kam noch, dass die Pflegerin – "Frau Maria" – auch durch ihre Sprache ganz und gar nicht den Eindruck vermittelte, eine Slowakin zu sein. Sie sprach, wie gewohnt, typisch wienerisch.