Totgesagte leben länger. Peter Mandelson, Handelskommissar der EU, will diesen alten Spruch offensichtlich um eine neue Variante ergänzen: Gesundbeten hat noch keinem geschadet. Seit Beginn der Woche verkündet der ehemalige Medienguru (Spindoktor) von Tony Blair, es gebe wieder Hoffnung für die globale Liberalisierung der Märkte. Die Welthandelsrunde, die im vergangenen Jahr gescheitert war, könne noch ein erfolgreiches Ende finden.

Handfeste Argumente für den plötzlichen Optimismus präsentiert er zwar nicht. Doch fühle er einen gewachsenen Sinn für die "Dringlichkeit" der Sache. Tatsächlich hat sich an den Fakten in den vergangenen Monaten kaum etwas geändert.

Zwar würde eine erfolgreiche Runde vor allem der Wirtschaft Europas und der USA nützen. Dennoch scheiterte sie irgendwo über dem Atlantik.

Die Amerikaner weigerten sich dickköpfig, ihre Landwirtschaft zu reformieren und die Subventionen zu reduzieren. Die Europäer wollten ihre Agrarmärkte nicht ernsthaft öffnen. Auf beiden Seiten ist die Landwirtschaftslobby zu mächtig, stark sind die Bauernverbände immer noch, und in Frankreich nahen die Wahlen. Peter Mandelson weiß das.

Warum also die Sprüche?

Den Briten treibt die pure (Zeit-)Not. Mitte des Jahres läuft die Frist für den amerikanischen Präsidenten ab, in der er frei vom Parlament Handelsvereinbarungen treffen kann. Ohne diese Vollmacht werden die amerikanischen Verhandler kaum Zugeständnisse machen können. Wenn also in den nächsten Wochen nichts geschieht, ist die Runde wirklich tot.

EU-Kommissar Mandelson hätte dann in seiner Brüssler Zeit fast nichts erreicht. Die bilateralen Verhandlungen, die er begonnen hat, sind viel zu kompliziert und langwierig, um bald Ergebnisse zu zeitigen.