Ihr Beitrag zum Studienfach Theologie ist sehr aufschlussreich. Er gibt einen interessanten Außenblick auf die Wahrnehmung des Fachs Theologie als Wissenschaft. Es gibt allerdings auch eine Binnensicht auf das Fach und den Zugang zum Pfarramt: Der Rückgang der Studierendenzahlen im Bereich der evangelischen Theologie hat mit den mangelnden Zukunftsperspektiven für angehende Pfarrer und Pfarrerinnen zu tun. Er hängt aber sicher auch mit der zunehmenden Unkenntlichkeit der Bedeutung des Pfarrberufs zusammen.

Widersprüchlichste Erwartungen machen die Ausbildung für junge engagierte Christen zusätzlich unattraktiv. So ist schon jahrelang der Vorwurf zu hören, das wissenschaftliche Theologiestudium bilde nur unzureichend für die Praxis aus. Mögen in bildungsbürgerlichen Stadtteilen oder Wohnorten Pfarrer und Pfarrerinnen als Universalgelehrte noch gefragt sein, wird das über Jahre angelernte Potenzial im alltäglichen Gemeindekontext kaum abgerufen. Der Erwerb von Kenntnissen in Betriebswirtschaft, Personalführung, Psychologie, Soziologie und Jura wäre wichtiger gewesen als exegetische Detailarbeit an alttestamentlichen Texten. So gesehen genügt auch binnenkirchlich das Studium nicht mehr den Ansprüchen der pfarramtlichen Praxis.

Es sei denn, der Pfarrer, die Pfarrerin könnte sich wieder mehr dem "Eigentlichen" seines/ihres Dienstes zuwenden, nämlich der Seelsorge und der Verkündigung. Dafür bleibt aber immer weniger Zeit, weil Verwaltung (und heutzutage auch zunehmend Abwicklung) gemeindlicher Einrichtungen immer mehr Zeit kostet. Dort agieren sie dann allerdings als "Universaldilettanten", weil sie zuvor als Fachmann/Fachfrau für Theologie ausgebildet wurden.

Insofern schreien der Pfarrberuf und die damit verbundene Ausbildung nach einer grundlegenden Reform. Vielleicht könnten die Kirchen dabei von den Freikirchen und dem englischsprachigen Ausland lernen. Denkbar wäre ein universitäres Grundstudium, das ökumenisch von den der ACK angehörenden Kirchen getragen ist, dem ein seminaristisches, durchaus akademisches Aufbaustudium folgt, das in Trägerschaft der jeweiligen Kirche geschieht und in die Theologie nach dem jeweiligen konfessionellen Standpunkt einführt. Verabschieden müsste man sich dagegen von einer Allmachtsfantasie, die, statt einer Profilierung des Pfarrberufs zu dienen, ihm am Ende immer noch weitere Aufgaben aufbürdet.

Marcus Tesch, Wissen