Er ist oft aufgefallen. Schon bevor Roman Giertych polnischer Bildungsminister wurde, war er durch seine antisemitischen und schwulenfeindlichen Parolen bekannt. Als Giertych vor anderthalb Jahren Regierungsmitglied wurde, protestierten Studenten - der israelische Botschafter in Warschau weigerte sich, mit ihm zu sprechen. Richtig ruhig wurde es nie um den Minister - in letzter Zeit fiel er wiederholt durch politische Ideen auf, die so erstaunlich waren, dass die liberale polnische Zeitung Gazeta Wyborcza auf ihrer Online-Seite zur Wahl eines "Giertych des Jahres" aufrief. Ein Vorschlag war, bei nicht bestandenem Abitur eine ärztliche Bescheinigung über die geistige Reife vorlegen zu müssen. Sehr schön auch die Idee, Listen schwangerer Schülerinnen ans Bildungsministerium zu schicken. Oder sollte man Patriotismus als Schulfach einführen?

Gegenwärtig liegt die Idee der Reifeprüfung für gescheiterte Abiturienten mit 40 Prozent der abgegebenen Stimmen vorn.

Bildungsminister Giertych dürfte über die Aktion der Zeitung wenig erfreut sein. Er hat schon früher angedroht, das Presserecht verschärfen zu wollen.