Eine Tirolerin in Island: Nikola Christoph, 36, verkauft in Reykjavøk moderne Kunst, hat keine Kinder, aber drei Autos. Und lebt in Island, um in Island zu genießen.

+ Nordlichter. Ich habe Tanzpädagogik studiert und als choreografische Assistentin an einem Tanztheater gearbeitet. Nach zehn Jahren fühlte ich mich beinahe ausgebrannt. Einen langen Urlaub konnte ich mir nicht leisten. Also wollte ich irgendwo einen Job suchen, der mich nicht allzu sehr fordert. So bin ich im Alter von 32 nach Island gekommen.

Anfangs war ich Kellnerin, jetzt arbeite ich in einer Galerie.

Heute lebe ich in dem Gefühl, hierher zu gehören. Ich habe gefunden, was mir gefehlt hat, obwohl ich nicht einmal genau sagen könnte, was das ist. Das schönste Licht Europas? Der scheinbar endlose Himmel? Die gut schmeckende Luft? Die Nordlichter? Die Stille, die in den Ohren wehtut? Jedenfalls habe ich hier genug Platz für mich und meine Gedanken.

Querfeldein. Es ist wunderbar, im geheizten Auto vor dem Eissalon zu sitzen und Softeis mit Schokosauce zu essen. Ich genieße es, in der Morgendämmerung um zehn Uhr bei minus sieben Grad in einem Freibad, das von einer heißen Quelle gespeist wird, zu schwimmen. Manchmal begleite ich meinen Mann aufs Hochland. Gudmundur kutschiert Touristen mit einem Super-Jeep durch die Landschaft. Diese Autos haben Reifen, die höher als meine Beine lang sind. Damit geht es dann auf einen Gletscher zum Skidoofahren.

Mein Vater ist Tiroler, meine Mutter Dänin. Sprache und Identität waren immer ein wichtiges Thema für mich. Wie skandinavisch ich eigentlich bin, habe ich erst in Island erkannt. Schnell ist mir aufgefallen, wie gut ich in das Gesamtbild passe. Inzwischen denke ich isländisch und schreibe meine Einkaufslisten isländisch. Im Ausland leben heißt für mich, schnell die Sprache zu lernen. Das ist die einzige Möglichkeit, sich auf Dauer in einer Gesellschaft wohlzufühlen.

Insel der Seligen. Island ist ein bisschen größer als Österreich, aber unterschiedlicher können zwei Länder kaum sein. Hier leben wir wirklich auf einer Insel, unsere Nachbarn sind weit weg: Grönland 287 Kilometer, die Färöerinseln 420 Kilometer, Schottland 798 Kilometer.