Eine kleine Meldung, in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, erschütterte in der Vorweihnachtszeit unseren Familienfrieden. Der Weiße Flussdelfin, las die Mutter aus der Zeitung vor, ist ausgestorben. Entsetzen in der Runde. " Der arme Weiße Flussdelfin!

Warum tun wir das? Und was tut ihr dagegen? Der Vater von Lorenz fährt schon lange mit Biosalatöl!" Die Mutter blickte betreten und stumm auf dem ganzen Tisch herum. Sie hatte zwar nicht die geringste Ahnung, ob es irgendeine Verantwortungskette gibt, die von ihrem noch immer nicht mit Biosalatöl betriebenen Auto zum Aussterben des Weißen Flussdelfins führt. Aber ganz unschuldig, das weiß sie, kann sich keiner fühlen.

Der Anfang Februar zu erwartende Bericht des von den Vereinten Nationen berufenen Weltklima-Gremiums IPCC wird ihr recht geben. Die Erde, wird in diesem Bericht stehen, erwärmt sich weiter, bis zum Jahr 2100 um voraussichtlich 4,5 Grad. Verantwortlich dafür sind, wie wir alle wissen, der Mensch und seine liebste Beschäftigung: der Energieverbrauch. Früher hieß es manchmal noch, das sei alles halb so schlimm. Heute sind die Folgen des CO2-Ausstoßes unbestritten: Erderwärmung, Artensterben, Packeisschmelze, Orkane und noch ein paar Hundert andere Dinge mehr, die gar nicht alle restlos aufzählbar sind.

Die Kinder fragen völlig zu Recht, warum wir nichts dagegen tun. Sind wir denn genauso blöd wie der arme Flussdelfin, der sich nicht zu helfen weiß?

Für diese Annahme spricht einiges. Zum Beispiel das Verhalten der USA, des weltweit größten CO2-Produzenten. Denn die USA haben bekanntlich das Kyoto-Protokoll, das versuchte, den CO2-Ausstoß zu begrenzen, nicht unterzeichnet. Die Begründung: Das könne man sich wirtschaftlich nicht leisten. Diesem Befund ist von vielen Experten widersprochen worden. Klimaschutz ist nachweislich billiger als die zu erwartenden Klimaschäden. Jedenfalls solange man die von unseren Kindern zu tragenden Kosten mit einkalkuliert. Nur für uns allein ist es allemal günstiger, so weiterzumachen. " Über den amerikanischen Lifestyle wird nicht diskutiert", das dumme Wort von Bush senior ist noch immer nicht aus der Welt. Und vergnüglicher als die Salatöl-Nummer ist es angeblich sowieso, mit 300 PS über die Autobahn zu brettern. Nach uns die Sintflut, in diesem Fall sogar buchstäblich.

Natürlich versuchen wir, den Schaden zu begrenzen. Wir haben es inzwischen sogar zu einer gewissen Meisterschaft in der Reparatur von Zivilisationsschäden gebracht. Wir haben das Dreiliterauto, die Wärmedämmung, die energiearmen Kühlschränke, die wassersparenden Duschköpfe und manches Begrüßenswerte mehr. Wir erwägen sogar, die saubere Atomkraft weiter auszubauen, und können nur beten, dass ihr kleines ungelöstes Folgeproblem der radioaktive Müll in Gorleben oder anderswo nicht doch noch unsere Nachfahren verstrahlt.

Solche Vorschläge und Maßnahmen sind bedenkenswert, die meisten überlebenswichtig. Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur könnte, wenn wir mutig und innovativ sind, einmal der Vergangenheit angehören.