Ich teile Ihre Befürchtung, mit der Mauschelei beim "Ermitteln" von Daten zur Berechnung des Existenzminimums würden Rechtsstaat und Demokratie ausgehöhlt. Deshalb halte ich das Thema für hochbrisant.

Die Entwicklung zu fehlender Wahrhaftigkeit beobachte ich schon seit Anfang der achtziger Jahre. Seitdem meine ich eine verminderte Verfassungs-, Rechts- und Sachtreue in der öffentlichen Verwaltung beobachten zu können.

Leider geht dieses Geschehen mit dem Versagen der vierten Gewalt, dem kritiklosen Übernehmen der Darstellungen seitens der Verwaltung und Politik durch Journalisten, einher. Wenn in der Presse und besonders bei den unseligen Talkrunden im Fernsehen der Verwaltung und Politik keine sachkundigen (sich sachkundig machenden) Journalisten gegenüberstehen, werden die falschen Begründungen für die Regierungsentscheidungen der Öffentlichkeit gegenüber zu zutreffenden Begründungen gemacht.

Wahrscheinlich sind Journalisten in dieser schnelllebigen Zeit überfordert. Andererseits beweist Ihr Artikel, dass es auch anders geht. Von dieser Art Journalismus wünschte ich mir mehr, viel mehr und noch ausführlicher mit richtigen Daten versehen. Es steht wahrlich mehr auf dem Spiel als "nur" die Haushaltsfrage in einem Jahr.

Olaf Kniebel, Berlin