Die Not ist groß: Erst findet die Wiesbadener SPD keinen eigenen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters, also nominiert sie einen parteilosen katholischen Priester, der daraufhin von seinem erbosten Bischof vom Amt entbunden wird, und dann vergisst der örtliche Parteivorstand, den schwarzen Roten (oder den roten Schwarzen) fristgerecht zur Wahl am 11. März anzumelden mithin dürfte der Sieg an den CDU-Kandidaten fallen. Also tritt der örtliche SPD-Vorstand zurück und schämt sich. Nun zählen derlei Selbstdemontagen durchaus zur sozialdemokratischen Organisationsgeschichte. Ob Willy Brandt, ob Helmut Schmidt, ob Gerhard Schröder ihre Amtszeiten endeten stets aufgrund parteiinterner Dysfunktionalitäten. Was aber erzählt uns das Priester-Opfer von Wiesbaden?

Der Mann ist jetzt arbeitslos, weil er sich auf die Genossen verlassen hat. Sollte sein Bischof nicht Gnade vor Kirchenrecht ergehen lassen?

Und sollte die CDU, fair wie sie ist, den Nominierungsprozess nicht noch einmal eröffnen lassen? Oder sollte, ein radikaler Vorschlag, die ganze SPD geschlossen zurücktreten, wenn auch nur für drei Tage, um in der Zwischenzeit in aller Ruhe gemeinsam und solidarisch die politischen Termine für die nächsten Jahre in den Blick zu nehmen?

535000 Sozialdemokraten schauen in ihre Kalender, um festzustellen, dass das neue Jahr bereits begonnen hat: Und dann Glück auf!, wie Franz Müntefering zu sagen pflegte, wenn wieder einmal ein echter Hoffnungsträger in den Schacht der Vergessenheit abgestürzt war.