Was tun mit zwei Stunden geschenkter Zeit? Wenn der Sonntagsbesuch nicht wie vom Hausherrn angenommen um 16 Uhr, sondern erst um 18 Uhr kommt, lassen sich die meisten Männer im fortgeschrittenen Alter aufs Sofa sinken. Nicht Alfred Neven DuMont. Der 79-jährige Verleger griff zu Stift und Papier. Das Resultat veröffentlichte er wenige Tage später, es war im Mai vergangenen Jahres, im Kölner Stadt-Anzeiger.

Unter dem Titel Kleinkrämerei beherrscht Köln watschte der Verleger die Kommunalpolitiker ab. Da ist von "Ohnmacht in der Führung dieser Stadt" die Rede und von "Schwadlappen" im Kölner Rat, also von Politikern, die nur quasseln. Köln, so das Fazit des Artikels, sei "der große Lach-Joker der Nation". Sich öffentlich einmischen, ungefragt Stellung beziehen, harsche Urteile fällen das ist typisch für Neven DuMont: In den frühen neunziger Jahren beispielsweise wandte sich der Kölner Verleger gegen die Verlegung der Hauptstadt nach Berlin. Er hätte eine Volksbefragung in der Hauptstadtfrage demokratischer gefunden.