DIE ZEIT: In Hamburg haben die regierenden Christdemokraten eine weitreichende Bildungsreform beschlossen. Sie wollen die Schulformen, die heute nebeneinander existieren, auf zwei reduzieren: das Gymnasium und eine neue Stadtteilschule. Bahnt sich nach Jahrzehnten des Streits um die Schulstruktur damit ein historischer Kompromiss an? Nach der Grundschule gibt es in Hamburg in Zukunft nur noch zwei Wege. Klicken Sie auf das Bild und sehen Sie die ganze Grafik BILD

Heinz-Elmar Tenorth: Das könnte durchaus sein. Ich war sehr angetan, als ich das Papier der Hamburger CDU las. Es ist bei Weitem das intelligenteste Konzept, das mir seit langem zu diesem in Deutschland so quälenden Thema begegnet ist.

ZEIT: Woher die Begeisterung?

Tenorth: Die sogenannte Stadtteilschule soll ja nicht nur Haupt-, Real- und Gesamtschule unter einem Dach vereinen. Diese Idee hatten auch andere, und in einigen Bundesländern existiert dieses Modell bereits. In die Hamburger Stadtteilschule sollen darüber hinaus auch die beruflichen Gymnasien und die Aufbaugymnasien integriert werden. Das ist qualitativ etwas völlig Neues.

ZEIT: Inwiefern?

Tenorth: Weil die Stadtteilschule damit die Möglichkeit zum Abitur eröffnet. Damit ist die unterschiedliche Wertigkeit der Schulformen – hier das Gymnasium für die zukünftigen Akademiker, dort die anderen Schulformen für die praktischen Berufe – zumindest abgemildert. Funktional hebt die Hamburger CDU die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems damit sogar auf, und zwar ohne das Gymnasium abzuschaffen. Das nenne ich intelligent.

ZEIT: Wieso intelligent?