Wenn es aus Teheran die Order gegeben haben sollte, jetzt nur die Ruhe zu bewahren, befolgt Seyed Mohammad Haschemi sie vorbildlich. »Glauben Sie, dass sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Iran und Deutschland verschlechtern werden?« Herr Haschemi lächelt lange und sagt schließlich: »Nein, auf keinen Fall! Wo denken Sie hin?« Iranische Polizistinnen üben im Dienst-Mercedes BILD

»Aber der UN-Sicherheitsrat hat doch Sanktionen beschlossen!«

»Ja, natürlich«, antwortet Haschemi, der Wirtschaftsfachmann der iranischen Botschaft in Berlin ist, »doch wir haben mit Deutschland seit 400 Jahren enge und gute Wirtschaftsbeziehungen. Wir haben schon vieles überstanden. Auch das wird vorbeigehen.«

Seyed Haschemi mag recht haben mit seiner historischen Betrachtungsweise, doch gibt es jetzt eine völlig neue und historisch einmalige Situation: Iran steht unter dem Verdacht, eine Atombombe bauen zu wollen. Der UN-Sicherheitsrat hat am 23. Dezember 2006 Sanktionen gegen Iran beschlossen, weil die Regierung die Anreicherung von Uran nicht stoppen will. Sollte sie innerhalb von 60 Tagen nicht der Aufforderung Folge leisten, treten die Sanktionen – allerdings nach weiteren Beratungen – in Kraft. Herr Haschemi lächelt darüber nur. Er bewahrt die Ruhe – wie Teheran es vermutlich von ihm verlangt.

Dabei geht es um viel. Deutschlands Wirtschaft hat zwar hervorragende Beziehungen zu Iran. Bisher schien der Streit um die Nuklearfrage diese nicht zu beeinträchtigen. Die Geschäfte florierten auch noch zu Zeiten, als das Land schon wegen seiner nuklearen Aktivitäten unter verschärfter internationaler Beobachtung stand. 2003 summierten sich die Exporte auf 2,6 Milliarden Euro, 2004 waren es 3,5 Milliarden Euro und 2005 4,3 Milliarden Euro. Kein anderes Land lieferte so viel an Iran.

Fast alles, was in der deutschen Industrie Rang und Namen hat, ist dabei: Siemens, BASF, Linde und eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen. Doch 2006 hat es offensichtlich eine dramatische Trendwende gegeben. Der Geschäftseinbruch soll nach ersten Schätzungen bis zu 15 Prozent betragen. Der Rückgang ist unter anderem eine Folge des politischen Drucks, der aus den USA kommt. Washington will scheinbar all jene an die Kandare nehmen, die immer noch Geschäfte mit dem vermeintlichen »Schurkenstaat« machen. Das ist Teil einer Gesamtstrategie, welche zum Ziel hat, mit allen Mitteln zu verhindern, dass das Regime in Teheran die Bombe in die Hände bekommt. Aus Industriekreisen hört man, dass amerikanische Emissäre ausschwärmen und ein Auge auf die Irangeschäfte der Deutschen werfen. »Welcher Markt ist euch wichtiger?« – das ist eine der Fragen, die dabei angeblich gestellt werden. Die Pressestelle der US-Botschaft in Berlin sagt zu diesen kolportierten Behauptungen: »Kein Kommentar!«