John Blackthorne ist eine Romanfigur – und ein tüchtiger Seemann. Als Kapitän des holländischen Seglers Erasmus strandet er um das Jahr 1600 vor der japanischen Küste. Samurai-Krieger fischen die Männer aus dem Abendland aus dem Meer und werfen sie in den Kerker. Blackthorne aber lässt sich nicht einschüchtern und verbürgt sich für das Leben seiner Mannschaft. Dieser Mut beeindruckt die Japaner so sehr, dass sie Blackthorne an den Hof des lokalen Fürsten bringen – und auf den nächsten 1000 Seiten des Romans wird aus dem Europäer in Haltung und Geist ein edler japanischer Krieger, der seinem Retter dabei hilft, zum mächtigsten Feldherren des Landes aufzusteigen, zum Shogun.

James Clavells Heldenepos erschien 1975, da war der schwedische Unternehmer Niklas Zennström gerade mal neun Jahre alt. Das war aber alt genug, um zu begreifen, was es bedeutet, ehrenhaft zu handeln und edel zu sein. Dass Shogun sein Lieblingsbuch ist, glaubt man dem groß gewachsenen Mann nach einiger Zeit sogar. Der Roman erzählt von einem Außenseiter, der sich widrigsten Umständen zum Trotz etabliert, sich schließlich bewährt und Anerkennung findet.

Zennström selbst hat in seinem Auftreten zwar gar nichts Heldenhaftes. Er wirkt sogar eher ein wenig schüchtern. Aber als Internetunternehmer fürchtet sich der Schwede offenbar vor nichts und niemandem. Derzeit versucht er die Fernsehindustrie mit einem Computerprogramm namens Joost fundamental zu verändern. Und es ist schon der dritte große Anlauf, das Verbraucherverhalten weltweit mit Hilfe des Internets zu beeinflussen – und damit auch ganze Industrien.

Vergangene Woche hat er Joost vorgestellt. Mit der Software will Zennström Fernsehen und Videos übers Internet verbreiten. "Wir verbinden das Beste des Internets mit dem Besten des Fernsehens" – mit dieser etwas leeren Werbephrase erklärt er das Konzept. In vielem ähnelt Joost dem bekannten Videoportal YouTube. Der Nutzer soll zwischen klassischem Fernsehen und selbst gemachten Videos wählen können.

Er wirkt nicht wie ein Revoluzzer, sondern wie ein scheuer Programmierer

Allerdings verspricht der schwedische Unternehmer, er werde das TV-Bild in hoher Qualität und bildschirmfüllend liefern, also besser sein als YouTube. Der Zuschauer soll dann problemlos das klassische Fernsehprogramm sehen oder Videos aus einer riesigen digitalen Datenbank auswählen können. Die Datenbank dafür, und das ist typisch für die Ideen von Zennström, betreibt er nicht selbst. Die Videos sollen auf den Festplatten der privaten Nutzer lagern, auf die dann jeder, der Joost-Software hat, von außen zugreifen kann.