Das Schwarzweißfoto hängt ein wenig versteckt in der Ecke und zeigt einen kleinen Jungen mit Pudelmütze. Daneben steht: "Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich." Vor 20 Jahren fand sich dieses Motiv mit dem Zitat des Schriftstellers Arthur Schnitzler in vielen studentischen Wohngemeinschaften. Dies aber ist keine WG, sondern ein penibel aufgeräumtes Büro. Hier arbeitet Hans Buchholz. Sein Job hat ihn zum Schrecken vieler Studenten gemacht. Buchholz ist Geschäftsführer der Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Köln, kurz GEZ. Das Schwarzweißfoto mit dem Spruch hat ihm eine Freundin geschenkt. "Sie fand, es passt zu mir", sagt Buchholz.

Wild und gefährlich? Der Chef des Datenmonsters GEZ, das Informationen von über 41 Millionen Haushalten und Unternehmen speichert? Dessen Kontrolleure bei der Fahndung nach Schwarzsehern penibel jedes Türschild und jede Adressdatei prüfen? Das künftig auch Besitzer internetfähiger Computer abkassieren will? Wer einer solchen Institution vorsteht, den kann man sich kaum anders vorstellen denn als grauen Apparatschik.

Und dann spricht Buchholz auch noch die Sprache des Apparats, redet von "neuartigen Empfangsgeräten" oder gleich von "NEGs",wenn er internetfähige Computer meint, und nennt die nach Schwarzsehern fahndenden Kontrolleure "Beauftragte der Landesrundfunkanstalten". Zu Kritik an ARD und ZDF, denen die GEZ als Inkassounternehmen dient, würde er sich nicht hinreißen lassen. Dafür ist er schon viel zu lange dabei. 24 Jahre lang war er beim WDR beschäftigt und in gewissem Sinne hat er den Sender bis heute nicht verlassen: Das GEZ-Gebäude steht auf dem WDR-Studiogelände in Köln-Bocklemünd, sodass Buchholz, tritt er auf die Dachterrasse vor seinem Büro, die Kulissen der Lindenstraße sieht.

Derzeit kommt sich Hans Buchholz vor wie in einem schlechten Film. Vergangene Woche bekam der GEZ-Chef überraschend Besuch von der Staatsanwaltschaft. Fahnder durchsuchten die GEZ und mehrere Privatwohnungen. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt gegen Buchholz und den Leiter des Beschaffungswesens sowie einen früheren Mitarbeiter der GEZ wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Früher bewachte Buchholz Sowjetführer Leonid Breschnew

Ein Wuppertaler Computerdienstleister, an den die GEZ Aufträge vergeben hatte, soll deren Mitarbeiter korrumpiert haben. Buchholz selbst soll zwei Mal in ein Bordell eingeladen worden sein. Das geht aus Spesenabrechnungen des EDV-Unternehmens hervor. Buchholz bestreitet die Vorwürfe und hat den Chef der Computerfirma wegen Verleumdung angezeigt.