Niemals zuvor hat sich ein deutscher Regierungschef so klar zur Ökologie geäußert wie Angela Merkel. Den Klimaschutz nennt die Christdemokratin, neben der Energieversorgung, die »wichtigste Herausforderung für die Menschheit«. Sie warnt davor, unsere Zukunft zu »verbrauchen« und erklärt Nachhaltigkeit zur »Chefsache«. Merkels Sache. Gehören zu den wichtigsten Klinakillern: CO₂-ausstoßende Autos BILD

Der Sozialdemokrat Gerhard Schröder brauchte fast sieben Jahre im Kanzleramt und einige Monate Abstand davon, um sich zu der Forderung durchzuringen, die ökologische Dimension der Politik müsse »allgemeinverbindlich« gemacht werden. Merkel, die frühere Umweltministerin, wusste um die Bedeutung des Umwelt- und Klimaschutzes von Tag eins ihrer Regentschaft an.

Und jetzt das: Merkel, die Autokanzlerin!

Während Fachleute der Vereinten Nationen vergangene Woche in Paris der Weltöffentlichkeit ihren jüngsten Klimareport präsentieren, während sich zur Gewissheit verdichtet, dass es die Menschen selbst sind, die den Planeten aufheizen, und während die Realität manche Klimaprognose bereits überholt hat, stellt sich die Kanzlerin schützend vor die Hersteller von Benzin schluckenden und CO₂ ausspuckenden Geländewagen und Limousinen, die es fast mit Formel-1-Boliden aufnehmen können.

Tempolimit auf den deutschen Autobahnen? Steht laut Merkel nicht zur Debatte. Ebenso wenig wie ein einheitlicher Grenzwert für das klimaschädliche, die Atmosphäre aufheizende Kohlendioxid (CO₂), das den Abgasrohren von Autos entströmt. Wer die beunruhigenden Erkenntnisse über den Zustand der Erde mit solchen Botschaften begleitet, macht sich zwar Freunde bei den Automobilproduzenten. Seine Glaubwürdigkeit aber setzt er aufs Spiel.

Zumal niemand plant, was Angela Merkel verhindern will. Nicht einmal der europäische Umweltkommissar, der Grieche Stavros Dimas, wollte je alle Autos in Sachen CO₂-Ausstoß gleichbehandeln. An diesem Mittwoch endlich einigte sich die EU-Kommission zwar auf sein – abgespecktes – Dossier. Allerdings machte Dimas seinem Ärger über das Berliner Störmanöver kurz vorher noch mit der Bemerkung Luft, Deutschland sei »keineswegs Vorreiter beim Klimaschutz«. Das traf ins Mark.