Dr. Ziegler hat es gut getroffen. Das Pfarramt in Langen bietet eine beamtengleiche Versorgungsstelle - es gibt ein neu erbautes Pfarrhaus für die achtköpfige Familie, und nicht zuletzt waltet hier ein Kirchenvorstand, der wohl aufgrund eigener brauner Gemeindevergangenheit sehr viel Verständnis für den heimatvertriebenen "Kriegskameraden" aufbringt. Ziegler fühlt sich wohl. In seinen Memoiren berichtet er von "umfangreicher Lehrtätigkeit" an Volksschule, Berufsschule, Realschule und Gymnasium, von vielen Konfirmationen und von der Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer der beiden Kriege. Als Vertreter des Dekanats Dreieich nimmt er lange Zeit an Landessynoden teil und schreibt regelmäßig für das Deutsche Pfarrerblatt. Anlässlich des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) und öfter ist er im kirchlichen Auftrag zur Berichterstattung in Rom. Wie 1939, damals als Abgesandter Rosenbergs, sitzt er nun wieder bei diversen Anlässen auf der Ehrentribüne der Peterskirche, während seine Frau "auf Ischia kurte".

Nur einmal noch ziehen dunkle Wolken auf, im schrecklichen Jahr 68, als ein jüngerer Pfarrerkollege "Demonstrations-Gottesdienste" mit Plakatträgern veranstaltet und im Gemeindehaus eine "Friedensausstellung" gezeigt wird. In mehreren Predigten kanzelt "Bruder Ziegler" den Pazifismus der Achtundsechziger als Schwarmgeisterei ab. Vor allem ein Ausstellungsfoto, das drei gehängte Wehrmachtdeserteure des Jahres 1945 zeigt, erregt seinen heiligen Zorn. Zu allen Zeiten, so eifert der Pfarrer im Gottesdienst, seien Deserteure "an die Wand gestellt oder aufgehängt" worden.

1976 tritt Ziegler in den Ruhestand. Bei der Bemessung seiner Pension rechnet ihm die Kirche die Kriegsjahre sowie die Zeit der britischen Gefangenschaft und Internierung als Kriegsverbrecher, insgesamt über acht Jahre, als ruhegehaltsfähige Dienstzeit an. Des "roten Hessens" seit Längerem überdrüssig, übersiedelt Ziegler nach Oberbayern, wo der einstige Glaubenskrieger Rosenbergs am 12. August 1992 in Penzberg verstirbt, im gesegneten Alter von 81 Jahren.

Der Autor lehrt Neuere Geschichte an der TU Berlin. Eine erweiterte Fassung seines Beitrags ist in der "Zeitschrift für Geschichtswissenschaft" (Heft Nr. 11/06, Metropol Verlag, Berlin) zu finden. Mehr zum Thema auch in dem Buch "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche im Nationalen", das der Autor zusammen mit Wolfgang Krogel vor Kurzem im Wichern- Verlag, Berlin, herausgegeben hat (550 S., Abb., 37,90 )