Kalter Nieselregen am Fuße des Rothaargebirges. Detlef Wetzel steht in seinem Garten, legt das Ohr an einen grünen Holzkasten und nickt zufrieden. » Da sind sie«, sagt er. Das Summen tief unten im Bienenstock ist Musik in seinen Ohren. Sieben Völker überwintern hier.

Zwei mehr als vorgesehen, denn der übliche Schwund blieb aus: kein schwärmender Abgang in einen neuen Staat, keine Seuchen, obwohl die in Nordrhein-Westfalen grassieren. » Es werden immer mehr, weil alles so gut läuft«, sagt der Hobbyimker.

Für Massenorganisationen hat Detlef Wetzel offenbar ein Händchen. Im Sommer 2004 übernahm er die Leitung der IG Metall in Nordrhein-Westfalen. Dieser Bezirk ist der größte bundesweit, er zählt mehr Mitglieder als die gesamte SPD. Vergangenes Jahr gelang Wetzel dort in den Tarifverhandlungen der Pilotabschluss, der bundesweit übernommen wurde. Ob Wetzel in den bald wieder anlaufenden Tarifgesprächen erneut eine herausgehobene Rolle spielen wird, kann niemand vorhersagen. Sicher ist aber: Seit der Siegener die IG Metall in NRW leitet, schrumpft die Gewerkschaft dort nicht mehr. Während Großorganisationen aller Art Mitglieder verlieren, gelingt es Wetzel, Abgänge durch Eintritte auszugleichen. Überall sehen sich die Gewerkschaften mit dem Rücken zur Wand, aber Wetzel spricht von ihrer Renaissance.

Die Bezirksleitung NRW residiert in Düsseldorf im ehemaligen Hauptquartier der Gewerkschaft Textil und Bekleidung, die vor zehn Jahren in der IG Metall aufging. Detlef Wetzel Dreitagebart, Straßenanzug, dunkler Teint sitzt in seinem unauffälligen Büro, zündet sich ein Zigarillo an, nicht ohne Erlaubnis einzuholen, und erklärt, dass es den Gewerkschaften besser geht, als man denkt. » Wir haben in zwei Jahren den Trend gedreht. Daran sieht man, dass Gewerkschaften auch heute erfolgreich sein können.«

Aber der Flächentarifvertrag, dieser zentrale Bedeutungsnachweis der Gewerkschaften, verliert er nicht seit Jahren an Kraft? Regeln nicht immer mehr Betriebe Löhne und Arbeitszeiten auf eigene Faust? Wetzel spricht mit leiser Stimme, und das ist keine Attitüde. Er meidet die Schlagwörter des Funktionärs, aber wenn sich eine Formel einmal bewährt hat, dann benutzt er sie auch.

»Tarifpolitik findet eben nicht mehr in der Tagesschau statt«

Im Falle der Erosion des Flächentarifvertrages lautet Wetzels Formel: »Tarifpolitik findet eben nicht mehr nur in der Tagesschau statt.«