Über solche Zahlen würden sich die großen Pauschalveranstalter freuen: Um 10 bis 15 Prozent pro Jahr sind die Umsätze der FAR-Mitglieder in den vergangenen drei Jahren im Schnitt gestiegen. Bei ihrer Gründung 1998 waren sie ein kleiner bunter Haufen von zwölf Veranstaltern der alternativen Szene, die sich im Unternehmensverband Forum Anders Reisen, kurz FAR, zusammenschlossen. Heute sind sie ein großer bunter Haufen mit über 140 Mitgliedern. Stolz weist das Netzwerk von kleinen und mittelständischen Reiseveranstaltern die Erfolgbilanz aus: Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die beteiligten Unternehmen mit rund 100000 Kunden einen Gesamtumsatz von etwa 110 Millionen Euro. Womit haben sie das verdient?

"Auf dem massentouristischen Markt ist eine Sättigung zu spüren. Die Kunden wollen nicht mehr das 08/15-Produkt von der Stange, 14 Tage Kanaren am Strand", erklärt FAR-Geschäftsführer Rolf Pfeifer. Deshalb wanderten Kunden vermehrt zu Spezialreiseveranstaltern in Nischenmärkte ab, und "davon profitieren unsere Mitglieder im Forum". Die FAR-Firmen machen maßgeschneiderte Spezialangebote: Annette Martens organisiert mit ihrem Einfrauunternehmen China at work Kunst- und Töpferreisen nach China, der Verein Lebendige Kommunikation mit Frauen in ihren Kulturen bietet Begegnungsreisen mit kenianischen Frauen und Frauengruppen an, laMar organisiert eine Andalusienreise "Wale und südspanische Lebensart" (und unterstützt nebenbei Meeresschutzorganisationen), der Italienprofi Herbert Grabe macht mit seinem Unternehmen erde und wind gleich sechs thematische Wanderreisen in die Wildnis der Abruzzen, und Ro aktiv Reisen lädt zum "Floß-abenteuer in Transsilvanien". Daneben gibt es im Forum einige inzwischen arrivierte Veranstalter wie Lernidee Erlebnisreisen, Spezialist für Touren mit der Transsibirischen Eisenbahn, oder aventoura, der Reisen nach Mittel- und Südamerika anbietet.

In den letzten Jahren hat sich der Verband besonders auf die Vermarktung und den Vertrieb der Reisen seiner Mitglieder konzentriert. Zunächst organisierte er gemeinsame Messestände wie auf dem Reisepavillon in Hannover, dann baute er das Internetportal www.forumandersreisen.de auf, in dem über 2000 Touren zu finden sind, jetzt wirbt er mit dem Gemeinschaftskatalog Reiseperlen 2007 für 160 ausgewählte Starprodukte seiner Veranstalter.

Mag das Spektrum noch so bunt, mögen die Reiseideen noch so verrückt sein, gemeinsam ist den Forumsmitgliedern das Leitbild eines nachhaltigen Tourismus, "der langfristig ökologisch tragbar, wirtschaftlich machbar sowie ethisch und sozial gerecht ist". Was so gespreizt klingt, bedeutet in der Praxis unter anderem naturnahes Reisen, Aktivurlaub mit Kanu, Rad oder zu Fuß, Unterkunft in kleinen Pensionen und Gästehäusern oder bei Familien, intensiver Erholungs- und Erlebniswert, Begegnungen mit fremden Kulturen, viel Kontakt zu den Einheimischen auf Augenhöhe.

Reiner Strandurlaub, Ferien in All-inclusive-Resorts, Übernachtungen in Hotels internationaler Ketten, Kurztrips im Billigflieger zum Shopping, das alles muss draußen bleiben. "Wir würden nie eine achttägige Reise nach Südafrika in einem All-inclusive-Club zulassen", sagt Geschäftsführer Pfeifer. Deshalb verpflichten sich alle Mitgliedsfirmen in einem ausgeklügelten Kriterienkatalog, ökologische, ökonomische, soziale und qualitative Standards zu respektieren.