Letzte Woche schrieb ZEIT-Redakteur Patrik Schwarz einen offenen Brief an Anne Will , die Nachfolgerin von Sabine Christiansen. Er wünschte sich: Bringen Sie die Politik in die Wirklichkeit – und die Wirklichkeit in die Politik. Nun antwortet die ARD-Moderatorin.

Lieber Kollege von der "Zeit",

herzlichen Dank für Ihren freundlichen Brief, der mich am Donnerstag bereits geöffnet erreichte. Darin fordern Sie mich zu nichts Geringerem auf, als mit klarer Haltung die politische Kultur in Deutschland vom Kopf auf die Füße zu stellen. Ich soll die Politiker vor sich selbst retten, uns vor uns selbst und die Themen vor der Langeweile. Na, wenn es weiter nichts ist. Das ist ja leicht. Und dafür brauchen Sie so viele Sätze?

So können wir das beim Fernsehen natürlich nicht machen. Das muss eins zu eins sitzen, wie wir zu sagen pflegen. Eben war ein Gast noch populistischer Spitzenpolitiker, und kaum hat man ihm die richtige Frage gestellt, mutiert er zum ehrlichen, ernsthaften, durch und durch verantwortungsbewussten, zudem sehr wirklichkeitsverhafteten Bürger wie du und ich, der geistreich und tiefgründig über noch so komplizierte Themen zu reden in der Lage ist. Und wenn das nicht geht, darf er gar nicht erst kommen. So mache ich das! Versprochen!

Was mich an Ihrem Brief besonders freut, ist also, dass er von der richtigen Haltung zum Fernsehen getragen ist. Da schwingt auch nicht der geringste Grad an Überhöhung und Heilserwartung mit. Was die Politik an eigeninszenatorischen Selbstverliebtheiten entwickelt hat, gehört nicht etwa im Parlament oder in Parteizentralen, sondern ausschließlich im Fernsehen kurz angesprochen und ist damit auch sofort weggefragt. Das Fernsehen ist das Ersatzparlament, zu dem es Friedrich Merz bei Sabine Christiansen ja auch selbst erklärt hat.

Ab Herbst gilt also: Kaum habe ich meine krachend enthüllenden Fragen gestellt, hat die Politikergarde ihren Rückweg zur dringend notwendigen Ernsthaftigkeit gefunden und das Ziel nicht mal zwei Sätze später auch schon erreicht. So mache ich das! Da haben wir doch das ultimative Konzept. Leichte Übung!